Von diesem aktuellen Stand aus kann der Franken weiter abwerten - kurzfristig wenigstens. So sagen die Devisenspezialisten der Genfer Privatbank Union Bancaire Privée (UBP) einen Dollar-Franken-Kurs von 0,85 bis Ende des Jahres 2026 voraus. Dazu dürfte eine weitere Zinsanhebung durch die US-Notenbank Fed beitragen. Schon an der Oktober-Sitzung kann es laut der UBP so weit sein. Anlass zum Handeln geben nach Ansicht der Experten die überraschend hohen US-Inflationszahlen für den Monat September. Der Wert von 3,7 Prozent lag über den Schätzungen von 3,6 Prozent und auch klar über dem 2-Prozent-Ziel, das die amerikanischen Notenbanker anpeilen.
Höhere Leitzinsen in den USA vergrössern die Zinsdifferenz zur Schweiz, solange die Schweizerische Nationalbank (SNB) am Nullzins festhält. Das haben die hiesigen Währungshüter schon im September getan, und der nächste Zinsentscheid steht erst im Dezember an. So ergibt sich bis Ende Jahr ein Fenster für weitere Avancen des Dollar gegenüber dem Franken. «Anhaltende Inflationsrisiken und robuste Konjunkturdaten könnten den Dollar kurzfristig zusätzlich stützen», heisst es in dem am Dienstag erschienenen Devisenkommentar weiter.
Auf Dauer aber dürfte der Franken wiedererstarken. UBP erwartet den Dollar im September 2027 bei 80 Rappen. So fest notierte die Schweizer Valuta zuletzt im vergangenen August. Auch gegenüber dem Euro dürfte der Franken wieder zulegen: Für das Euro-Franken-Paar prognostiziert die Genfer Privatbank einen Rückgang auf 92 Rappen bis Mitte 2027. Die längerfristigen Schätzungen deuten auf «knapp unter» 90 Rappen hin. Das entspricht einem Niveau, das bislang kaum je erreicht wurde.
Somit überwiegen auf längere Sicht die Faktoren, welche den Franken gegenüber anderen Devisen typischerweise attraktiv machen. Er gilt als Fluchtwährung in weltpolitischen Krisen, schöpft seine Anziehungskraft aber etwa auch aus dem grundsätzlich soliden Schweizer Staatshaushalt. Der vergleichsweise tiefe Schuldenstand trägt zur Stabilität der Landeswährung bei.
Die Dollar-Prognose von UBP stimmt mit der momentanen Einschätzung der Bank J. Safra Sarasin weitgehend überein. Diese sieht den Dollar im zweiten Quartal 2027 bei 81 Rappen und im vierten Quartal 2027 bei 80 Rappen. Für das Euro-Franken-Paar sagen die Spezialisten von Safra Sarasin schon ab dem ersten Quartal des kommenden Jahres 90 Rappen voraus.

