Er werde das Geld klug und ohne bürokratische Hürden investieren, sagte der Nachfolger des vorherigen Berkshire-Chefs, der Inbestoren-Legende Warren Buffett, am Samstag im US-Bundesstaat Nebraska. Zuvor hatte die Investmentgesellschaft für das erste Quartal einen Anstieg des Betriebsgewinns um 18 Prozent auf 11,35 Milliarden Dollar gemeldet. Die Barreserven erreichten einen Rekordwert von 380,2 Milliarden Dollar.
Abel steht vor der Herausforderung, das Vertrauen von Investoren zu gewinnen, die derzeit eher von Technologie und Künstlicher Intelligenz (KI) begeistert sind als von Berkshires traditionellem Portfolio aus Versicherern, Einzelhändlern sowie Industrie- und Energieunternehmen. Er betonte die Effizienz des Konzerns: «Als Konglomerat leben wir davon, dass wir Bürokratie hassen», sagte Abel als Antwort auf eine vorab aufgezeichnete Frage von Buffett. «Wir haben nicht die Absicht, irgendjemandem verpflichtet zu sein. Damit fangen wir an.»
Der neue Chef versicherte, er habe nicht vor, das von Buffett aufgebaute Firmenimperium aufzuspalten. «Wir wollen, dass Berkshire fortbesteht», erklärte er. Das Unternehmen suche ständig nach neuen Investitionsmöglichkeiten, werde aber an Buffetts Prinzip der Geduld festhalten. Man müsse nicht das gesamte Kapital einsetzen, wenn die wirtschaftlichen Aussichten und Risiken nicht stimmten.
Berkshires langjähriger Versicherungs-Chef Ajit Jain pflichtete ihm bei: Es sei wichtig, auch «Nein» zu sagen. Es sei sehr schwer, einfach nur da zu sitzen und nichts zu tun, «während alle anderen von Maklern hofiert und nach London ausgeführt werden». Im ersten Quartal kaufte Berkshire eigene Aktien im Wert von 234 Millionen Dollar zurück – der erste Rückkauf seit Mai 2024.
Der gestiegene Betriebsgewinn im Auftaktquartal ist unter anderem auf das Versicherungsgeschäft zurückzuführen, das im Vorjahreszeitraum noch unter Verlusten durch Waldbrände in Südkalifornien gelitten hatte. Auch einige Grossunternehmen wie die Eisenbahngesellschaft BNSF verzeichneten höhere Gewinne. Dagegen hatten mehrere Einzelhandelssparten mit den unsicheren wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und einer gedämpften Verbraucherstimmung zu kämpfen.
Entwarnung gab Abel bezüglich drohender Milliardenstrafen für die Tochtergesellschaft PacifiCorp wegen Waldbränden im Jahr 2020 in Oregon. Ein Berufungsgericht habe die Gefahr vorerst abgewendet. «Wir sind juristisch wieder am Anfang», sagte Abel.
Ein weiteres Thema waren Zölle: BNSF-Chefin Katie Farmer erklärte, die Kunden seien trotz Anpassungen an steigende Tarife weiterhin mit Unsicherheiten konfrontiert.
Mehr Sorgen, weniger Besucher
Der 95-jährige Buffett, Chef des Verwaltungsrats, sass bei dem Aktionärstreffen in der ersten Reihe. Er lobte seinen Nachfolger ausdrücklich: «Greg macht alles, was ich getan habe, und noch mehr.» Zudem hob er Apple als eines der erfolgreichsten Investments von Berkshire sowie dessen scheidenden Chef Tim Cook hervor.
In einem Interview am Rande der Veranstaltung äusserte sich Buffett jedoch besorgt über die aktuelle Marktstimmung. «Wir hatten noch nie so viele Menschen in Zocker-Laune wie heute», sagte er dem Sender CNBC. Dies bedeute nicht, dass Investieren furchtbar sei, aber die Preise für sehr viele Dinge würden «schrecklich albern» aussehen.
Die Hauptversammlung in Omaha zog spürbar weniger Besucher an als in den vergangenen Jahren, als Buffett und der 2023 verstorbene Vize-Chef Charlie Munger das Treffen mit ihren pointierten Bemerkungen prägten. Mehrere tausend der rund 18.000 Plätze in der Halle blieben leer. Auch die Schlangen vor den Türen waren kürzer. Seit Buffetts Ankündigung im vergangenen Jahr, sich von der Spitze zurückzuziehen, hat die Berkshire-Aktie im Vergleich zum US-Leitindex S&P 500 um 39 Prozentpunkte schlechter abgeschnitten.
(Reuters/cash)

