«Wir werden nicht an ‌bisherigen Praktiken festhalten, ⁠wenn wir bessere Alternativen finden», erklärte er am Dienstag zu Beginn seiner vierjährigen ⁠Amtszeit in einem Schreiben an die mehr als 20'000 Mitarbeiter, das der Nachrichtenagentur Reuters vorliegt.

In den kommenden ‌Quartalen erwarte er eine offene Debatte über Strategie und Arbeitsweise der ‌Fed. Zugleich schlug er einen versöhnlichen ​Ton gegenüber der Belegschaft an, deren Arbeit er zuvor kritisiert hatte. Warsh plant zudem, andere Inflationsmasse zu prüfen und die Bilanzsumme der Zentralbank von 6,7 Billionen Dollar zu verringern.

Seine erste Zinssitzung als Vorsitzender findet am 16. und 17. Juni statt. Es wird erwartet, dass ‌die Notenbank die Zinsen dann zunächst unverändert lässt. Die neuen Wirtschaftsprognosen dürften jedoch Aufschluss darüber geben, welchen Kurs Warsh einschlägt und ob die Währungshüter befürchten, dass sich der hartnäckige Inflationsdruck verstärkt.

Bei ​seinem Neustart muss Warsh allerdings weiter mit seinem Vorgänger Jerome Powell ​arbeiten: Powell gehört der Notenbank als Direktoriumsmitglied weiterhin ​an. Warsh hatte den geldpolitischen Kurs unter Powell in der Vergangenheit scharf kritisiert und der Fed vorgeworfen, sich ‌zu weit von ihrem eigentlichen Auftrag entfernt zu haben.

Um seinen Kurs umzusetzen, hat sich der neue Fed-Chef einem Zeitungsbericht zufolge für die Übergangsphase zwei konservative Experten an seine Seite geholt. ​Wie das «Wall ​Street Journal» berichtete, stammen Daniel Heil und ⁠Paul Winfree aus dem Umfeld konservativer Denkfabriken wie der ​Hoover Institution und der Heritage ⁠Foundation. Winfree verfasste zudem das Kapitel über den Umbau der Notenbank für das umstrittene «Project ‌2025», eine Vorlage für einen konservativen Politikwechsel.

Der Führungswechsel fällt in eine Phase, in der die Unabhängigkeit der Notenbank unter Druck geraten ist. Trump versucht, Einfluss ‌auf die Fed zu gewinnen. Warsh hat allerdings im Bestätigungsverfahren im ​Senat gelobt, als Chef der Notenbank Zinsentscheidungen «strikt unabhängig» von politischen Erwägungen zu treffen. Er sei absolut keine Marionette des US-Präsidenten, betonte er.

(Reuters)