«Wir sind eindeutig im Niedrigwasserbereich», sagte ein Sprecher des Wasserstrassen- und Schifffahrtsamts Rhein am Montag der Nachrichtenagentur Reuters. Der Pegelstand falle von Tag zu Tag weiter. «Die Lage ist schwierig», bestätigte der Vorstand der Deutschen Transport-Genossenschaft Binnenschifffahrt (DTG), Roberto Spranzi.
Die Pegelstände auf Deutschlands wichtigster Wasserstrasse seien schon früh im Jahr sehr niedrig - «so niedrig, wie ich es in 45 Berufsjahren noch nicht erlebt habe», sagte Spranzi. Dabei habe der Sommer gerade erst begonnen.
Der Wasserstand an der wichtigen Engstelle Kaub nahe Koblenz ist zu Wochenbeginn auf 53 Zentimeter gefallen. In den kommenden Tagen soll er nach Prognose der Wasserstrassen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes deutlich unter die Marke von 50 Zentimetern fallen. Das bisherige Rekordtief wurde im Oktober 2018 mit 25 Zentimetern erreicht.
Der aktuelle Wert hat bereits erhebliche Folgen für die Binnenschifffahrt. «Die Fahrrinne wird entsprechend flacher», sagte der Sprecher des Wasserstrassen- und Schifffahrtsamts Rhein. Güterschiffe könnten deshalb immer weniger Fracht laden.
Die Genossenschaft DTG, die rund 90 Schiffe zählt, bestätigte das. «Die Transportkapazität leidet bereits», sagte Vorstand Spranzi. «Die Schiffe können nur mit einem Drittel von dem beladen werden, was normalerweise geht.» Für die Kunden sei das schwierig, weil dadurch die Transportkosten steigen würden. Dabei seien diese wegen der höheren Treibstoffkosten ohnehin schon in die Höhe gegangen. «Noch kriegen wir alles hin. Wir sind voll ausgebucht», sagte Spranzi. Nun komme die Urlaubszeit, das eine oder andere Unternehmen mache Betriebsferien. «Das kann die Lage etwas entspannen.»
Auch das Bundesumweltministerium beobachtet die Entwicklung. «Die Pegelstände in vielen deutschen Flüssen sinken derzeit deutlich ab – infolge des Klimawandels, sich dadurch verändernder Niederschlagsmuster und mehr Phasen langanhaltender Trockenheit», hiess es. «Erste Landkreise und Kommunen beschränken die Wasserentnahme in ihren Regionen.» Bundesumweltminister Carsten Schneider will am Mittwoch das erste bundesweite Niedrigwasserinformationssystem (NIWIS) vorstellen. Dieses soll erstmals einen Überblick über die aktuelle Niedrigwassersituation sowie umfassende Hintergrundanalysen anbieten. Die Informationen seien eine wichtige Grundlage, um entsprechende Vorsorgemassnahmen in Kommunen und Wirtschaft zu ergreifen und bessere Anpassungsstrategien zu entwickeln.
2025 wurden auf den Binnenwasserstrassen insgesamt 171,6 Millionen Tonnen Güter befördert. Das war der niedrigste Wert seit der deutschen Vereinigung im Jahr 1990. Der Rückgang des Transportaufkommens ist in erster Linie auf den Güterversand ins Ausland zurückzuführen: Die dorthin beförderte Menge sank um 4,8 Prozent auf 41,1 Millionen Tonnen. Besonders Steine und Erden, Erze, Kohle sowie flüssige Mineralölerzeugnisse und Chemikalien werden auf deutschen Flüssen transportiert.
(Reuters)

