Norwegen profitiert von den infolge des Iran-Kriegs gestiegenen Energiepreisen. Für dieses Jahr werden Einnahmen aus dem Öl- ‌und ⁠Gasgeschäft von 721,1 Milliarden Kronen (rund 70 Milliarden Euro) erwartet und damit rund ⁠30 Prozent mehr als bislang, wie die Regierung am Dienstag in Oslo mitteilte. ‌Ursprünglich waren 557,4 Milliarden Kronen veranschlagt worden. Die ‌Zusatzeinnahmen sollen jedoch nicht ausgegeben, ​sondern dem bereits 2,2 Billionen Dollar schweren Staatsfonds zugeführt werden - dem grössten der Welt.

Anders als die meisten europäischen Länder erzielt Norwegen dank seiner Rohstoffvorkommen hohe Haushaltsüberschüsse. Die Regierung muss die Ausgaben jedoch begrenzen, ‌um die heimische Inflation nicht durch eine übermässige Nachfrage weiter anzuheizen. Die norwegische Zentralbank hatte erst vergangene Woche den Leitzins überraschend von 4,00 auf ​4,25 Prozent angehoben, um die durch starkes Lohnwachstum ​und hohe Energiekosten getriebene Teuerung einzudämmen. Die ​Regierung geht nun von einem durchschnittlichen Rohölpreis von 91 Dollar pro Barrel aus, nach ‌67 Dollar im Oktober.

Trotz der wachsenden Öleinnahmen senkte das Finanzministerium seine Prognose für das Wirtschaftswachstum ausserhalb des Ölsektors. Für 2026 wird nun ​nur ​noch ein Plus von 1,7 Prozent ⁠erwartet statt der im Oktober prognostizierten ​2,1 Prozent. Als Grund nannte ⁠das Ministerium die Folgen des Iran-Kriegs. Die Minderheitsregierung der Arbeiterpartei, ‌die in Umfragen derzeit zurückliegt, steht vor schwierigen Verhandlungen im Parlament, um eine Mehrheit für den überarbeiteten Haushalt zu finden. ‌Die Ausgaben aus dem Staatsfonds sollen mit 579,0 ​Milliarden Kronen (rund 54 Milliarden Euro) nun sogar etwas niedriger ausfallen als noch im Dezember geplant.

(Reuters)