Mit einem Portfolio von 2,2 Billionen Dollar ist der Investor der weltweit grösste Staatsfonds. Er wirbt seit Langem offensiv für den Einsatz von KI in seinen Abläufen und Vorstandschef Nicolai Tangen hat seine Begeisterung dafür früh deutlich gemacht. Am Donnerstag hatte der Fonds nun ein Update zu seiner Strategie für verantwortungsvolles Investieren vorgelegt - und darin ausdrücklich auf die Wirkung von KI verwiesen.

«Innerhalb von 24 Stunden nach unserer Investition kennzeichnen die KI-Tools neue Unternehmen im Aktienportfolio des Fonds mit potenziellen Verbindungen etwa zu Zwangsarbeit, Korruption oder Betrug», erklärte der Fonds. Diese Kennzeichnung betrifft genau jene Risiken, die andernorts unentdeckt bleiben. «Oft sind diese Informationen weder in der internationalen Medienberichterstattung noch in Warnhinweisen von Datenanbietern erfasst.»

Ist die KI-Analyse abgeschlossen, folgt stets eine menschliche Prüfung. «Wir überprüfen die Informationen immer, bevor wir eine Investitions- oder Risikoentscheidung treffen», hiess es. Dies habe sich ausgezahlt. «In mehreren Fällen haben wir diese Anlagen identifiziert und verkauft, bevor der breitere Markt auf die Risiken reagierte, und so potenzielle Verluste vermieden.»

Tangen, früher Hedgefonds-Manager, hat im vergangenen Jahr erklärt, er sei «wie ein Verrückter» herumgelaufen, um die Mitarbeiter zur Nutzung der Technologie zu bewegen. Diese Nutzung hat er zur Frage der Karriere gemacht. Mitarbeiter, die KI meiden, «werden niemals befördert». Der Fonds will mit KI die Entscheidungsfindung verbessern und die Investmentprozesse teamübergreifend stärken. Am Ende soll die Technologie helfen, Gewinner und Verlierer unter den Unternehmen früher zu erkennen.

Neue Anwendungsfälle entstehen fortlaufend. Man finde «zunehmend neue Einsatzmöglichkeiten für KI in unserem Portfolio-Risikomanagement», sagte ein Sprecher vor der Veröffentlichung des Berichts am Donnerstag. Ein Schwerpunkt liegt auf der Analyse der finanzierten Emissionen. «Wir prüfen Möglichkeiten, KI zu nutzen, um unsere Attributionsanalyse zur Erklärung von Veränderungen bei den vom Fonds finanzierten Emissionen zu stärken. Aber wir haben sie noch nicht für die Analyse von Klimaszenarien eingesetzt.»

Inzwischen nutzen alle Mitarbeiter KI-Tools, darunter unter anderem Claude von Anthropic, wie ein Sprecher am Donnerstag sagte. Trotz dieser umfassenden Einführung plane der Fonds keinen Stellenabbau, fügte er hinzu.

Der in den frühen 1990er-Jahren gegründete Fonds NBIM investiert nach einem Referenzindex, den Norwegens Finanzministerium festlegt. Er begrenzt den Spielraum für aktive Entscheidungen. Das Portfolio umfasst Aktien, Anleihen, Immobilien und Infrastruktur für erneuerbare Energien - ausschliesslich ausserhalb Norwegens.

(Bloomberg)

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