«Die Feindseligkeiten ‌haben wieder ⁠begonnen», sagte der griechische Zentralbankchef am Freitag und fügte an: «Wir stehen also ⁠wieder am Anfang. Das verdeutlicht, wie unsicher und schwankungsanfällig die Lage im Nahen Osten ist.» Es sei ‌auch ein Beleg für die Unsicherheit hinsichtlich der Inflationsprognosen sowie ‌für die Herausforderungen, mit denen sich die ​Geldpolitik konfrontiert sehe.

Die Europäische Zentralbank (EZB) erhöhte wegen der stark gestiegenen Inflation infolge des Iran-Kriegs auf der Juni-Sitzung erstmals seit fast drei Jahren ihren Leitzins. Der Einlagensatz wurde um einen Viertelpunkt auf 2,25 Prozent angehoben. Über diese geldpolitische Stellschraube steuert die EZB ‌massgeblich ihre Geldpolitik. Die EZB entscheidet am 23. Juli in Frankfurt und danach am 10. September auf einer auswärtigen Sitzung in Berlin über den Leitzins.

Die Inflation im Euroraum ​hatte im Juni an Kraft verloren: Die Teuerungsrate verringerte sich ​im Zuge des Ölpreisrückgangs auf 2,8 Prozent. Im ​Mai war sie durch den vom Nahost-Krieg ausgelösten Energiepreisschock auf 3,2 Prozent nach oben geschnellt und ‌damit weit über das Stabilitätsziel der EZB von 2,0 Prozent hinausgeschossen.

Die Eskalation im Nahost-Konflikt hat die Ölpreise nun wieder nach oben katapultiert: «Nach den ​jüngsten gegenseitigen Angriffen ​in der Golfregion und der ⁠Aufkündigung der Waffenruhe durch US-Präsident Donald Trump ist der ​Brentöl-Preis innerhalb von zwei Tagen ⁠um mehr als zehn Prozent gestiegen», erläutert Expertin Barbara Lambrecht von der ‌Commerzbank. Trotzdem sei der Preis immer noch niedriger als zwischen März und Mai.

Dies spreche dafür, dass die meisten Marktteilnehmer die jüngsten Ereignisse eher ‌als temporäre Störung einstuften und grundsätzlich mit einer Fortsetzung der ​Gespräche rechneten: «Sollte sich diese Einschätzung bestätigen, dürften die Ölpreise in der nächsten Woche wieder nachgeben», prognostiziert Lambrecht.

(Reuters)