Im Kampf um den milliardenschweren Markt für Abnehmmedikamante holt der dänische ‌Pharmakonzern gegen ⁠den US-Rivalen Eli Lilly auf. Ob die Trendwende nachhaltig ist, könnte sich am Mittwoch zeigen, wenn beide Unternehmen ihre Quartalszahlen vorlegen.

Das vergangene Jahr ⁠war für Novo Nordisk von Rückschlägen geprägt. Zunehmender Preisdruck in den USA und wachsende Konkurrenz führten 2025 zu vier Prognosesenkungen und vernichteten Milliarden an Börsenwert. Das Unternehmen tauschte seinen ‌Chef aus und strich im Zuge eines Umbaus 9000 Stellen. In diesem Jahr hat der ‌Konzern jedoch mit der Markteinführung der Wegovy-Pille in den USA wieder ​an Schwung gewonnen. Das Mittel behauptet sich bislang erfolgreich gegen das Konkurrenzprodukt Foundayo von Lilly. Es geht um viel: Analysten zufolge könnte der Markt für Adipositas-Medikamente allein in den USA bis zum Ende des Jahrzehnts ein Volumen von mehr als 100 Milliarden Dollar erreichen.

Wann kommt der Wendepunkt?

Verschreibungsdaten von IQVIA deuteten darauf hin, dass die Nachfrage nach der Wegovy-Pille stärker sei als ursprünglich erwartet, schrieben die Analysten von Barclays. Die ‌Sorge, dass das Lilly-Mittel das Geschäft mit der Wegovy-Pille deutlich erschweren würde, habe sich bislang nicht bewahrheitet, erklärte Analyst James Gordon. Dennoch hat die Pille das Gesamtbild noch nicht grundlegend verändert. Bei den injizierbaren Medikamenten hat Lilly mit Zepbound im vergangenen Jahr die Führung übernommen und behauptet diese in ​den USA. Die wöchentlichen Verschreibungen lagen in den vergangenen Monaten mehr als doppelt so hoch wie bei dem ​Konkurrenzprodukt von Novo Nordisk.

Zudem weckt eine kürzlich gescheiterte klinische Studie für ein Herzmedikament ​Zweifel daran, ob die Dänen ihr Geschäft jenseits der Bereiche Adipositas und Diabetes ausbauen können. Die entscheidende Frage sei, wann der Wendepunkt komme, welches Quartal die Talsohle bilde und ‌ab wann wieder Wachstum verzeichnet werde, erläuterte HSBC-Analyst Rajesh Kumar. Die Erwartungen für 2026 hätten sich zwar verbessert. Das liege jedoch auch daran, dass Generika-Konkurrenz für Wegovy später als erwartet auf den Markt komme.

Kampf vor Gericht

Die Aktien des Unternehmens sind seit ihrem Tiefstand im März um rund ​35 Prozent ​gestiegen. Um Boden gutzumachen, geht Novo Nordisk inzwischen offensiver vor. Die Rivalität ⁠wird mittlerweile auch vor Gericht ausgetragen. Im vergangenen Monat verklagte Novo Nordisk den Wettbewerber ​Lilly in den USA wegen irreführender ⁠Werbung. Die Dänen werfen dem Rivalen vor, bei Wirksamkeitsvergleichen die neuere, höher dosierte Version von Wegovy weggelassen zu haben. Lilly wies dies zurück.

BMO-Analyst ‌Evan Seigerman wertete die Klage als Versuch, die öffentliche Meinung zu beeinflussen, auch wenn sie rechtlich kaum ins Gewicht fallen dürfte. Auch andere Experten zeigten sich skeptisch, dass der juristische Schritt die Wahrnehmung in den USA ändern könne, wonach ‌Zepbound dem Mittel Wegovy überlegen sei. Mit Blick auf die anstehenden Quartalszahlen halten Analysten eine leichte Anhebung der ​Jahresprognose durch Novo Nordisk für möglich. Das wichtigste Signal für die Anleger dürfte jedoch das Ausbleiben neuer Hiobsbotschaften sein. Selbst wenn die Prognose nicht angehoben werde, sei es beruhigend zu wissen, dass die Ära der Gewinnwarnungen vorbei sei, erklärte Markus Manns, Portfoliomanager bei Union Investment.

(Reuters)