Im letzten Quartal des vergangenen Geschäftsjahrs 2025/26, das bis Ende Januar lief, sprang der Umsatz im Jahresvergleich um 73 Prozent auf 68 Milliarden Dollar (rund 57,7 Mrd Euro) hoch.

Nvidia übertraf damit die Erwartungen der Wall Street. Selbst im Vergleich zum Quartal davor gab es ein Plus von 20 Prozent, wie das Unternehmen am Mittwoch nach US-Börsenschluss mitteilte. Anleger hielten sich aber nach der Bekanntgabe der Zahlen zurück: Nach den Kursgewinnen in den vergangenen Tagen wurden die Zahlen und vor allem die Aussagen der Firmenspitze überwiegend zurückhaltend aufgenommen.

Nachdem das Papier in einer ersten Reaktion auf die Zahlen und den Ausblick noch deutlich angezogen hatte, rutschte der Kurs während einer Telefonkonferenz mit Analysten zwischenzeitlich leicht ins Minus. Händler führten dies unter anderem auf Aussagen der Finanzchefin Collette Kress über einen langfristig möglicherweise stärker werdenden Druck chinesischer Konkurrenten zurück. Zudem habe es wenig Details dazu gegeben, wie sich der optimistische Umsatzausblick zusammensetzt. Am Donnerstagvormittag lag der Kurs im ausserbörslichen Handel aber wieder leicht im Plus.

Angst vor KI-Blase an der Börse

Chipsysteme von Nvidia wurden zu einer Schlüsseltechnologie für die Entwicklung von Software mit Künstlicher Intelligenz (KI). Sie werden sowohl für das aufwendige Training von KI-Modellen für Chatbots wie etwa ChatGPT eingesetzt - als auch beim Betrieb solcher Software. Die Nvidia-Ergebnisse sind damit zu einem Gradmesser für den Zustand der KI-Industrie geworden.

In den vergangenen Monaten flammte an den Börsen immer wieder mal die Sorge auf, dass die grossen Erwartungen an das zukünftige Geschäft mit Künstlicher Intelligenz zu einer Blase bei den Aktienkursen von Tech-Unternehmen geführt haben könnten.

Tech-Riesen wie Google und der Facebook-Konzern Meta sowie KI-Start-ups wie der ChatGPT-Erfinder OpenAI stecken gerade hunderte Milliarden Dollar in den Ausbau ihrer Infrastruktur für Künstliche Intelligenz. Es gibt Zweifel, ob diese gewaltigen Investitionen zurückverdient werden können. Nvidia profitiert jedoch unabhängig davon schon heute von der Ausgabefreudigkeit: Ein grosser Teil des Geldes fliesst in Chips des Konzerns.

Ausblick über Erwartungen

Nvidia widerlegte die Zweifler nun erneut mit einer Prognose für das laufende Vierteljahr, die über den Erwartungen der Analysten liegt. Nvidia rechnet mit 78 Milliarden Dollar Umsatz, mit einer möglichen Abweichung von zwei Prozent nach oben oder unten. Experten hatten im Schnitt mit einer Prognose von rund 73 Milliarden Dollar gerechnet.

Das Geschäft mit Rechenzentren erwirtschaftet inzwischen gut 90 Prozent der Nvidia-Erlöse. Unter dem Strich sprang der Quartalsgewinn im Jahresvergleich um 94 Prozent auf knapp 43 Milliarden Dollar hoch. Beim Ergebnis pro Aktie lag der Konzern über den Schätzungen der Analysten.

Im Geschäftsjahr 2025/26 setzte Nvidia fast 216 Milliarden Dollar um - zwei Drittel mehr als im Jahr davor. Unter dem Strich verdiente der Konzern in den zwölf Monaten bis Ende Januar 120 Milliarden Dollar; ein Plus von 65 Prozent.

Einen Teil der hohen Gewinne investiert Nvidia in KI-Entwickler. In der Branche spricht man dabei von Kreislauf-Deals: Mit den Finanzspritzen kaufen die Entwicklerfirmen dann Halbleiter-Technik bei dem KI-Chip-Spezialisten.

Kapazitätsengpässe bremsen - offene Fragen in China

Nvidia-Chef Jensen Huang bekräftigte in einer Telefonkonferenz mit Analysten, die Computerwelt habe sich durch Künstliche Intelligenz verändert und in Zukunft werde es nur noch mehr Nachfrage nach Rechenleistung geben - womit sich auch schon jetzt Geld verdienen lasse. Computer-Kapazitäten führten zu Wachstum und dies wiederum bringe Umsätze. Finanzchefin Colette Kress sagte, Nvidia habe weiterhin Probleme, genug Chipsysteme produzieren zu lassen.

Nach wie vor offen ist, wie es für Nvidia in China weitergeht. Die US-Regierung erlaubt zwar wieder den Verkauf abgespeckter Chipsysteme mit der Bezeichnung H200 in das Land - für eine saftige Gebühr von 25 Prozent. Allerdings ist weiterhin unklar, ob die Regierung in Peking die dortigen Unternehmen diese Chips kaufen lässt. In den Prognosen von Nvidia wird deshalb immer noch kein potenzielles Geschäft in China berücksichtigt.

Der rapide Ausbau der Rechenzentren sorgt gerade für eine akute Knappheit bei Speicherchips - und das bremst wiederum das Geschäft von Nvidia mit Grafikkarten für Gamer, mit denen der Konzern einst gross wurde. Im vergangenen Quartal verpasste die Sparte mit Erlösen von 3,73 Milliarden Dollar die Erwartungen von Analysten, die eher mit rund vier Milliarden Dollar gerechnet hatten

Verhaltene Reaktion an der Börse

Wie immer in den vergangenen Quartalen wurden die Nvidia-Zahlen mit Spannung erwartet. Doch trotz des rasanten Wachstums, der eindrucksvollen Zahlen und des optimistischen Ausblicks waren die Investoren nur kurz beeindruckt. Das deutliche Plus nach Bekanntgabe der Zahlen schmolz schnell ab. Am Donnerstag lag der Kurs im ausserbörslichen Handel um 9 Uhr leicht im Plus und kostete 198 Dollar.

Nvidias Aktienkurs befindet sich seit einigen Jahren auf einem rasanten Höhenflug. Im vergangenen Oktober war der Kurs bis auf 212 Dollar geklettert. Nvidia war damals das erste Unternehmen mit einem Börsenwert von mehr als fünf Billionen Dollar. In den Wochen und Monaten nach dem Rekordhoch fiel der Kurs zeitweise wieder bis auf 170 Dollar zurück, bevor er sich zuletzt wieder erholte und an die Marke von 200 Dollar heranrobbte.

Aktuell wird Nvidia an der Börse mit knapp 4,8 Billionen Dollar bewertet und liegt damit deutlich vor Apple. Der iPhone-Hersteller kommt derzeit auf gut vier Billionen Dollar.

(AWP)