Ölpreis - Den Heizöltank jetzt füllen? Hausbesitzer dürfen etwas spekulieren

Der Ölpreis befindet sich auf einem Zwei-Jahreshoch. Weshalb dies kein Grund zur Sorge für Hausbesitzer ist.
26.09.2017 23:08
Von Marc Forster
Bleibt der Ölpreis bei fast 60 Dollar?
Bleibt der Ölpreis bei fast 60 Dollar?
Bild: Bloomberg

Der Heizöltank von Villenbesitzerin Isolde W. (Name der Red. bekannt) war im Herbst 2008 leer: Bei einem Preis von damals 144 Dollar für ein Fass Rohöl wurde das Auffüllen teuer. Um die Rechnung von 25'000 Franken begleichen zu können, musste sich die alte Dame von einem teuren Bild trennen. Hätte sie etwas geschickter agiert und ihren Tank regelmässig aufgefüllt, wäre sie um diese Spitzenpreise herumgekommen und ihr ihre Kostbarkeit vielleicht erhalten geblieben. Denn der Heizölpreis korreliert mit dem Ölpreis, und daher kann man relativ gut auf tiefere Stände spekulieren.

2008 ist allerdings auch lange her: Der Preis für ein Fass Öl der Nordseesorte Brent kostet aktuell 58,7 Dollar. Das ist aber immerhin so hoch wie seit dem Sommer 2015 nicht mehr. Weil in den letzten Monaten die Nachfrage gross war - und aktuell der Kurden-Konflikt für Ängste um die Zufuhr von nordirakischem Öl sorgt - ist der Preis zuletzt angestiegen.

Der Ölpreis seit Mai 2015 - der aktuelle Stand war zuletzt im Juli 2015 gesehen worden (Grafik: cash.ch).

"Mittelfristig sehen wir den Ölpreis Richtung Bandbreite 45 bis 55 Dollar pro Fass sinken", sagt Rohstoffexperte Norbert Rücker von der Bank Julius Bär auf Anfrage von cash. Die Raffinerien würden saisonal weniger Öl einkaufen, die Schieferölproduktion in den USA sollte weiter ansteigen, und Anleger am Ölmarkt, die grosse Long-Positionen halten, dürften kurzfristig Gewinne mitnehmen."

Auch Bernd Hartmann von der Liechtensteiner VP Bank sieht beim Ölpreis aus fundamentaler Sicht keine deutlich höheren Niveaus: "Der heutige Stand ist vom Dollar, den Stürmen in der Karibik und geopolitischen Spannungen getrieben. Wenn der Preis auf 55 oder 60 Dollar pro Fass steigt, werden Produzenten wieder aktiv, die unter 50 Dollar nicht gewinnbringend fördern können." Das Angebot erhöhe sich und dämpfe den Ölpreis. In drei Monaten sei es daher wahrscheinlich, dass der Ölpreise gegen 50 Dollar falle.

Abgaben werden 2018 höher

Das sind insofern gute Neuigkeiten für Heizöltank-Besitzer. Der Ölpreis hat oft eine etwas verzögerte Wirkung auf den Preis für Mineralölprodukte in der Schweiz, zu denen Heizöl gehört. Die Statistik zeigt, dass die Heizölpreise Anfang Jahr relativ hoch waren, als der Ölpreis ebenfalls bei rund 57 Dollar gelegen hatte. Ein neuerlicher Ansteig im August zeigt, dass der Ölpreis nach einem zwischenzeitlichen Fall auf knapp 45 Franken im Juni wieder steigt:

Heizölpreise im Monatsmittel in den vergangenen zwölf Monaten (Quelle: Bundesamt für Statistik/Erdöl-Vereinigung)

Sinkt der Ölpreise nun wieder, dürfte in den kommenden Wochen auch der Heizölpreis wieder günstiger werden. Der Direktor des Branchenverbands Swissoil, Ueli Bamert, bringt aber noch ein weiteres Argument für ein baldiges Auffüllen der Tanks vor: "Nicht vergessen darf man selbstverständlich die fiskalische Belastung des Heizöls in Form der CO2-Abgabe: Diese beträgt derzeit 84 Franken pro Tonne CO2 und wird per 1. Januar 2018 auf 96 Franken erhöht, was einer ungefähren Erhöhung von 3 Rappen pro Liter entspricht." 

Gut auch für Autofahrer

Zu beachten gilt auch noch: Heizöl ist wie Benzin regional unterscheidlich teuer. Ein Tipp aber auf jeden Fall: In einer Nachbarschaft mit mehreren Ölheizungen können sich Hausbesitzer bei der Bestellung zusammentun. Wer grössere Mengen abnimmt, profitiert von Mengenrabatt, wie die obige Grafik ebenfalls verdeutlicht.

Was Hausbesitzer freut, könnte auch eine gute Nachricht sein für Autofahrer - mit dem Unterschied, dass Benzin in Privathaushalten normalerweise nicht in grossen Mengen gelagert wird. Bislang haben sich die höheren Ölpreise noch nicht ausgeprägt auf den Benzinpreis ausgewirkt. Ein wieder sinkender Ölpreis könnte einen solchen Effekt auch weiter verhindern. Wenn auch beim Benzin - wie bei allen Mineralölprodukten - Steuern, Transportkosten sowie auch der Dollarkurs einen entscheidenden Anteil am Literpreis haben.

Für Flugpassagiere stellt es sich leider etwas anders dar: Airlines geben erfahrungsgemäss Treibstoffpreis-Schwankungen nicht weiter. Dies hat neben Profitdenken auch damit zu tun, dass sie den Ölpreis von vornherein absichern. Zudem wurde im Zusammenhang mit der Pleite der Air Berlin spekuliert, dass Flüge ab Zürich sogar teurer werden können, denn der Lufthansa-Konzern wird in Kloten seine starke Marktstellung wegen Air Berlin noch ausbauen können - Ölpreis hin oder her.