Der Iran-Krieg lässt Finanzexperten immer pessimistischer auf die deutsche Wirtschaft blicken. Das Barometer der Konjunkturerwartungen für die kommenden sechs Monate sank im April auf minus 17,2 Punkte, nach minus 0,5 Zählern im März, wie das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag zu seiner monatlichen Umfrage unter 192 Investoren und Analysten mitteilte. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten nur einen Rückgang auf minus 5,0 Punkte erwartet. Analysten sagten dazu in ersten Reaktionen:
Thomas Gitzel, Chefökonom VP Bank:
«Ein erneuter Rückgang wurde erwartet. Dass er so deutlich ausfallen wird, überrascht dann aber doch. Nach Einschätzung der vom ZEW befragten Finanzmarktanalysten wird der Iran-Krieg die deutsche Wirtschaft merklich belasten. Die Furcht vor einer längerfristigen Verknappung des Energieangebotes geht um. Es sollte allerdings berücksichtigt werden, dass deutliche Rückgänge der ZEW-Konjunkturerwartungen nach Schocks nichts Unübliches sind. Auch nach Bekanntgabe der reziproken US-Zölle im April des vergangenen Jahres ging das Mannheimer Konjunkturbarometer um mehr als 60 Punkte zurück - um nur kurze Zeit später deutlich zu steigen.»
Alexander Krüger, Chefökonom Hauck Aufhäuser Lampe:
«Die Stimmungsmisere vertieft sich. Der Energiepreisanstieg hält die wirtschaftliche Absturzgefahr hoch. Deutschland als Nettoenergieimporteur leidet zurzeit mehr als andere Länder. Die gestiegenen Energiepreise dürften auch die Impulse des Fiskalpakets schmälern. Statt der Krise ihren Lauf zu lassen, ergreift die Regierung fragwürdige Hilfsmassnahmen. Das kommt zu hohen Energiepreisen, schwierigen Standortbedingungen und einer Reformuntätigkeit jetzt noch hinzu. Schlimmer als die gestiegenen Energiepreise ist, wenn die Rohölversorgung erliegen sollte. Eine schwere Ölkrise bleibt das Horrorszenario, trotz aller Hoffnungen auf eine Konfliktbeilegung. So oder so wird die Wirtschaft in diesem Jahr weniger wachsen als Ende 2025 noch erhofft.»
(Reuters)

