Der US-Arbeitsmarkt hat sich im Juni massiv abgekühlt. Unter dem Strich wurden nur 57.000 Stellen ausserhalb der Landwirtschaft geschaffen, wie aus dem am Donnerstag vorgelegten Bericht der Regierung hervorgeht. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten einen Anstieg um 110.000 erwartet. Im Mai waren nach revidierten Daten nur 129.000 Arbeitsplätze hinzugekommen. Ursprünglich war eine Zahl von 172.000 gemeldet worden. Die separat ermittelte Arbeitslosenquote sank im Juni allerdings überraschend - und zwar auf 4,2 Prozent, nach 4,3 Prozent im Mai.
Analysten sagten dazu in ersten Reaktionen:
THOMAS GITZEL, CHEFÖKONOM VP BANK:
«Auch wenn im Juni die Anzahl der neugeschaffenen Stellen geringer ausfällt als erwartet und gleichzeitig auch der Vormonatswert um gut 40.000 Stellen nach unten revidiert, ändert dies nichts an der Tatsache, dass sich der US-Arbeitsmarkt seit März wieder im Aufschwung befindet. Die Zahl enttäuscht deshalb nicht.
Mit dem immer noch intakten Aufschwung am US-Jobmarkt gehören Zinssenkungsdiskussionen ins Reich der Fabeln – auch wenn die Inflationsrate im Juni dank tieferen Ölpreisnotierungen niedriger ausfallen wird. Ein gutlaufender Arbeitsmarkt könnte zu steigenden Löhnen führen und Zweitrundeneffekte aufgrund der höheren Energiepreise könnten ohnehin noch ins Haus stehen. US-Notenbank-Chef Kevin Warsh wird derweil weiter auf das Ziel der Preisstabilität verweisen und damit implizit die Möglichkeit von Zinserhöhungen meinen. Ob es allerdings hierfür eine Mehrheit im Offenmarktausschuss der Federal Reserve gibt, bleibt fraglich.»
TOBIAS BASSE, NORDLB:
«Die Beschäftigungssituation in den USA darf sicherlich auch weiter nicht als wirklich schwach bezeichnet werden. In der Summe werden die neuen Arbeitsmarktdaten aus den Vereinigten Staaten von den internationalen Finanzmärkten eher als Hinweis auf eine wohl weiter ziemlich vorsichtig agierende US-Notenbank Fed interpretiert. Die Juni-Zahlen zur Entwicklung der US-Konsumentenpreise sollten die Spekulationen über höhere Leitzinsen in Washington dann noch weiter in den Hintergrund treten lassen.»
(Reuters)

