Der Iran-Krieg dämpft den Aufwärtstrend der deutschen Wirtschaft. Der Einkaufsmanagerindex für die Privatwirtschaft - Industrie und Dienstleister zusammen - sank im März um 1,3 auf 51,9 Punkte. Das teilte der Finanzdienstleister S&P Global am Dienstag zu seiner Unternehmensumfrage mit. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten mit 52,0 Punkten gerechnet. In ersten Reaktionen hiess es:
Dirk Schumacher, KFW-Chefökonom:
«Der Krieg im Nahen Osten und der damit einhergehende Anstieg der Energiepreise hat die Stimmung der Unternehmen in Deutschland bislang nur moderat eingetrübt. Die Unternehmen im Verarbeitenden Gewerbe verzeichnen sogar laut der PMI-Umfrage einen Anstieg der Aktivität im März. Der Aktivitätsgrad im Dienstleistungssektor zeigt hingegen einen deutlichen Rückgang. Da das Verarbeitende Gewerbe im Schnitt energieintensiver produziert als der Dienstleistungssektor, ist diese Divergenz erstaunlich und deutet, zumindest für den Moment, auf eine gewisse Robustheit des Aufschwungs hin. Dennoch sind die Risiken für den Aufschwung deutlich gestiegen und ein Verbleiben des Öl- und Gaspreises auf dem jetzigen Niveau wird den Aufschwung deutlich belasten und möglicherweise ernsthaft gefährden, abhängig vom weiteren Verlauf des Krieges.»
Robin Winkler, Chefökonom Deutsche Bank Research:
«Der überraschend starke PMI für das Verarbeitende Gewerbe im März, trotz Irankrieg, ist bei Weitem keine Entwarnung. Die Details zeigen, dass die Unternehmen sich auf eine langfristige Störung der globalen Lieferketten vorbereiten. Ähnlich wie während des Handelskonflikts mit den USA vor einem Jahr wurden Aufträge vorgezogen. Und die Materialkosten sind bereits so stark gestiegen wie zuletzt Ende 2022.»
Thomas Gitzel, Chefökonom VP Bank:
«Der Rückgang des Einkaufsmanagerindex für das Dienstleistungsgewerbe muss nicht weiter überraschen. Müssen die privaten Haushalte mehr für Energie ausgeben, bleibt weniger für den restlichen Konsum.
Je länger der Konflikt im Iran-Krieg anhält und je länger dadurch die globale Rohstoffversorgung blockiert bleibt, desto größer werden die konjunkturellen Schäden. Dies wird beim Blick auf die Details des Einkaufsmanagerindex deutlich. Die längeren Lieferzeiten und der schnelle Anstieg der Einkaufspreise sind keine guten Vorboten für die Konjunktur.»
(Reuters/cash)

