Waren und Dienstleistungen verteuerten ‌sich ⁠im Juli um durchschnittlich 2,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, nach ⁠2,3 Prozent im Juni, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag zu seiner ersten ‌Schätzung mitteilte. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte ‌Ökonomen hatten nur mit 2,7 Prozent ​gerechnet. Volkswirte sagten in ersten Kommentaren:

Michael Heise, Chefökonom HQ Trust

«Wie gewonnen, so zerronnen: Der Rückgang der Inflation im Juni ist im Juli komplett wieder aufgezehrt worden. Grund sind vor allem die ‌kräftig gestiegenen Energiepreise. Der Nahost-Konflikt und das Ende des Tankrabatts treiben die Preise an der Tankstelle und bei den Heizkosten wieder nach ​oben. Positiv: Lebensmittel sind weiterhin kaum teurer als ​vor einem Jahr. Das könnte sich ​durch die hohen Energiepreise aber wieder ändern. Die Kerninflation liegt bei 2,4 Prozent, ‌ein spürbarer Rückgang ist vorerst nicht in Sicht – auch weil sich die deutsche Wirtschaft langsam aus der Stagnation löst.»

Friedrich Heinemann, ZEW

«Das Ende ​des ​Tankrabatts kam zusammen mit ⁠stark steigenden Ölpreisen aufgrund der anhaltenden Kämpfe ​am Golf. Das treibt jetzt ⁠die Inflation nach oben. Der Herbst wird in Sachen Inflation ‌deshalb ungemütlich. Nach wie vor inflationieren auch die Dienstleistungen stark. Die anhaltend zu hohe Inflation ist dabei mehr ‌als eine Momentaufnahme. 2026 wird damit das ​sechste Jahr in Folge werden, in dem die Inflation in Deutschland über der Zwei-Prozent-Zielmarke der Europäischen Zentralbank liegt. Das ist äusserst bedenklich.»

Thomas Gitzel, Chefökonom VPB

«Von besonderem Interesse ist der Blick auf die Kerninflationsrate, also die Teuerungsentwicklung ohne Nahrungsmittel und Energie, denn darin manifestieren sich etwaige Zweitrundeneffekte. Und da gibt es eine kleine Überraschung: Die Kerninflationsrate fällt von 2,5 Prozent auf 2,4 Prozent. Der Preisauftrieb im Bereich von Dienstleistungen nimmt erfreulicherweise ab.

Die Europäische Zentralbank (EZB) betont das Risiko von Zweitrundeneffekten. Mit Blick auf die deutsche Teuerungsentwicklung gibt es zunächst Entwarnung. Jetzt gilt es noch, die Eurozonen-Entwicklung abzuwarten. Das Zahlenmaterial für den gesamten Währungsraum wird einen Tag später publiziert.»

(Reuters/cash)