Das Barometer der Konjunkturerwartungen für die kommenden sechs Monate ‌brach ⁠im März um 58,8 Punkte auf minus 0,5 Zähler ein, wie ⁠das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag zu seiner monatlichen Umfrage unter 178 Investoren ‌und Analysten mitteilte. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen ‌hatten nur einen Rückgang auf 39,0 ​Punkte erwartet.

«Die Eskalation im Nahen Osten treibt die Energiepreise massiv nach oben und sorgt für steigenden Inflationsdruck», erklärte ZEW-Präsident Achim Wambach die Umfrageergebnisse. «Für die deutsche Wirtschaft wächst damit das Risiko, dass der begonnene Erholungstrend der Konjunktur ‌ausgebremst wird.» Wie stark die Effekte ausfallen, hänge von Dauer und Intensität des Konflikts ab. Die Finanzmarktexperten seien aber skeptisch, dass es zu einem schnellen ​Ende des Konflikts kommen werde.

Die aktuelle Lage schätzten ​die Börsianer im März etwas besser ein: Dieses ​Barometer stieg um 3,0 Punkte, verharrte mit minus 62,9 Zählern allerdings tief im ‌negativen Bereich. Ökonomen hatten hier mit minus 67,3 Punkten gerechnet.

Der Krieg im Nahen Osten bremst auch nach Einschätzung der Bundesregierung die konjunkturelle Erholung in Deutschland. ​Die damit ​verbundenen drastischen Preissteigerungen bei Rohöl ⁠und Erdgas belasteten die Entwicklung, heisst es aktuellen Monatsbericht ​des Bundeswirtschaftsministeriums. «Der Erholungsprozess bleibt ⁠angesichts der externen Risiken fragil.» Es bestehe das Risiko für einen ‌Rückschlag bei der erwarteten Konjunkturerholung. Dies sei abhängig von der Dauer des Konflikts beziehungsweise «der faktischen Sperrung der Strasse von Hormus sowie möglichen ‌längerfristigen Beeinträchtigungen der dortigen Produktionskapazitäten bei Öl und Gas», ​erklärte das Ministerium. Die Wirtschaft habe bereits Anfang 2026 an Dynamik verloren, nachdem sie sich Ende 2025 noch belebt hatte. Analysten sagten dazu in ersten Reaktionen:

Alexander Krüger, Chefökonom Hauck Aufhäuser Lampe:

«Der Iran-Krieg ist den Investoren mächtig auf den Magen geschlagen. Das Fiskalpaket und ‌die volleren Auftragsbücher sind jetzt Nebensache. Die Stimmung hängt an der Frage, wann Öl- und Gaslieferungen wieder risikofrei erfolgen. Je schneller das geschieht, ​desto kleiner sind die Auswirkungen auf Wachstum ​und Inflation. Solange das nicht erkennbar ist, ​hat die Stimmung weiteres Abwärtspotenzial. Es bleibt zu hoffen, dass Trump Wort hält und ‌der Krieg von kurzer Dauer ist. Ansonsten geht es vor allem Deutschland als Nettoenergieimporteur deutlich mehr an den Kragen. Stand jetzt ​ist ​die deutsche Wirtschaft vom Hoffnungsfall wieder ⁠zum Sorgenkind mutiert.»

Thomas Gitzel, Chefökonom VP ​Bank:

«Beim Blick auf ⁠die ZEW-Konjunkturerwartungen wird es einem angst und bange. Der Iran-Krieg und ‌der daraus resultierende Ölpreisanstieg werden massive konjunkturelle Bremsspuren hinterlassen, so die Einschätzung der vom ZEW befragten Finanzmarktanalysten. Die ZEW-Konjunkturerwartungen ‌geben gleichzeitig auch einen ersten Einblick in etwaige ​Folgeschäden des Krieges in Nahost. Wir dürfen gespannt sein, wie sich die Unternehmen selbst dazu äussern werden.»

(Reuters)