Waren und Dienstleistungen verteuerten sich im Juni nur noch um 2,8 Prozent zum Vorjahresmonat, wie ‌das ⁠EU-Statistikamt Eurostat am Mittwoch mitteilte. Von Reuters befragte Experten hatten nur mit einem Rückgang auf 3,0 ⁠Prozent gerechnet. Im Mai war die Inflationsrate im Zuge des vom Iran-Krieg ausgelösten Energiepreisschocks auf 3,2 Prozent geklettert. ‌In ersten Reaktionen hiess es:

STEFANIE SCHOENWALD, KFW RESEARCH:

«Die Inflation in ‌der Euro-Zone sinkt und zwar deutlich. Bleibt die ​Lage im Nahen Osten stabil, liegt der Höhepunkt des energiegetriebenen Preisschubs hinter uns. Die Wahrscheinlichkeit eines weiteren Zinsschritts der EZB sinkt damit. Ausgeschlossen werden kann eine Fortsetzung der geldpolitischen Straffung aber nicht. Im Juli dürften die Leitzinsen aber erstmal unverändert bleiben. Erst die Daten der nächsten Wochen ‌und Monate werden Aufschluss darüber geben, wieviel zusätzlicher Preisdruck sich durch das viermonatige Energiepreishoch noch in der Wirtschaft entfaltet. Zwar sind die Absatzpreiserwartungen der Unternehmen überwiegend wieder rückläufig, andererseits ziehen die Erzeugerpreise ​für Zwischenprodukte erkennbar an. Weitgehend auszuschliessen sind jedoch deutliche Zweitrundeneffekte am Arbeitsmarkt. ​Starke Lohnzuwächse zeichnen sich nicht ab.»

JÖRG KRÄMER, COMMERZBANK-CHEFVOLKSWIRT:

«Die Inflation ​ist erstmals seit Ausbruch des Iran-Kriegs gefallen – vor allem wegen des jüngsten Rückgangs des Ölpreises. Aber Trumps Iran-Deal ‌kann den vorherigen Ölpreisschub nicht ungeschehen machen, den die Unternehmen in den kommenden Monaten teilweise an die Verbraucher weitergeben werden. Vor allem deshalb dürfte die Inflation bis zum Jahresende weiter um ​knapp drei Prozent ​schwanken. Die EZB sollte ihre Leitzinsen ⁠nach der Sommerpause noch einmal anheben – zumal immer mehr Verbraucher EZB-Umfragen ​zufolge langfristig mit einer ⁠Inflation über dem Ziel von zwei Prozent rechnen.»

ALEXANDER KRÜGER, CHEFVOLKSWIRT ABN AMRO DEUTSCHLAND:

«Der Rückgang ‌der Energiepreise gibt inflationsseitig Luft zum Atmen. Bei anhaltender Entspannung in Nahost wird die Inflationsrate schon in Kürze weiter fallen. Der Wegfall des Tankrabatts in Deutschland ‌wird im Juli aber noch ärgern. Im August dürfte die Inflationsrate ​2,5 Prozent erreichen und anschliessend um diesen Wert schwanken. Wegen des Risikos von Zweitrundeneffekten scheint die EZB gewillt, die Zinsen weiter zu erhöhen. Eine Zinserhöhung haben wir für September auf dem Zettel.»

(Reuters)