Der Preisschub im Euro-Raum hat sich im Mai unerwartet deutlich abgeschwächt. Die Verbraucherpreise legten im vergangenen Monat binnen Jahresfrist nur noch um 6,1 Prozent zu, wie das Statistikamt Eurostat am Donnerstag in einer ersten Schätzung mitteilte. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Volkswirte hatten mit 6,3 Prozent gerechnet. Noch im April hatte die Teuerungsrate leicht auf 7,0 Prozent zugelegt nach 6,9 Prozent im März. In ersten Reaktionen hiess es dazu:
JÖRG KRÄMER, COMMERZBANK-CHEFVOLKSWIRT:
"Dass die Inflationsrate im Mai deutlich gefallen ist, war vor allem wegen der gesunkenen Energiepreise unvermeidlich. Die wirklich gute Nachricht ist, dass die Kerninflation ohne Energie-, Nahrungs- und Genussmittel zum ersten Mal seit langem deutlich gefallen ist, wobei der Rückgang schätzungsweise nur zu einem Drittel auf das 'Deutschland-Ticket' zurückgeht. Allerdings sollte sich die EZB nicht zu sehr freuen. Der sich rasch beschleunigende Anstieg der Arbeitskosten dürfte verhindern, dass die Kerninflation mittelfristig wieder in den Bereich von zwei Prozent fällt."
THOMAS GITZEL, CHEFVOLKSWIRT VP BANK:
"Die EZB wird erleichtert sein. Die Inflation geht in die richtige Richtung – nämlich nach unten. Da allerdings gegenwärtig die Teuerungsraten noch immer über dem Leitzins liegen, ist die Arbeit der europäischen Währungshüter noch nicht beendet. Vermutlich werden noch zwei weitere Zinserhöhungen im Umfang von jeweils 25 Basispunkten lanciert. Danach dürfte die EZB in den Pausierungsmodus gehen. Eine beginnende Rezession in den Herbstmonaten wird kaum noch Spielraum für weitere Zinsanhebungen lassen, zumal die wirtschaftliche Kontraktion zu einem weiteren deutlichen Rückgang der Inflationsraten führen wird."
(Reuters)
