Die Inflation im Euroraum hat zu Jahresbeginn deutlich nachgelassen. Waren und Dienstleistungen verteuerten sich im Januar um durchschnittlich 1,7 Prozent zum Vorjahresmonat, wie das EU-Statistikamt Eurostat am Mittwoch mitteilte. Im Dezember hatte die Teuerungsrate bei aufwärts revidiert 2,0 Prozent gelegen. Ökonomen sagten in ersten Reaktionen:
Jörg Krämer, Commerzbank-Chefökonom:
«Der Inflationsdruck im Euroraum lässt weiter nach. Die Verbraucherpreise ohne die stark schwankenden Preise für Energie und Nahrungsmittel sind in den zurückliegenden drei Monaten auf Jahresrate hochgerechnet nicht einmal um zwei Prozent gestiegen. Setzt sich dieser Trend etwa wegen der Preissenkungen chinesischer Anbieter fort, dürften Spekulationen über eine weitere EZB-Zinssenkung aufkommen. Eine Zinssenkung ist im weiteren Verlauf des Jahres wahrscheinlicher als eine Zinserhöhung, wobei wir wegen des robusten Wirtschaftswachstums im Hauptszenario von unveränderten Leitzinsen ausgehen.»
Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank:
«Die Rufe nach einer EZB-Zinssenkung dürften lauter werden. Nicht nur, dass die Teuerungsrate nun unter dem EZB-Zielniveau von zwei Prozent liegt. Vielmehr kommt nun mit den höheren Euro-Notierungen ein weiterer Punkt hinzu, der zu einem Umdenken in der EZB führen könnte. Wir dürfen jedenfalls auf den Wortlaut auf der morgigen EZB-Pressekonferenz gespannt sein. Zu vermuten ist, dass die Tür für eine Zinssenkung zumindest einen Spaltbreit geöffnet wird.»

