Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im Februar stärker als erwartet verbessert. Damit mehren sich aus Sicht von Experten die Zeichen einer Belebung nach einer jahrelangen Schwäche in Deutschland. Das Ifo-Geschäftsklima stieg um einen Punkt auf 88,6 Punkte, wie das Münchner Forschungsinstitut mitteilte. Volkswirte hatten im Schnitt nur mit einem Anstieg auf 88,3 Punkte gerechnet.
Einschätzungen von Bank-Ökonomen zu den Ifo-Daten im Überblick:
Ulrich Kater, Chefökonom der DekaBank:
«Die deutsche Wirtschaft nimmt langsam Fahrt auf. Dahinter stecken die Aufträge aus den Verteidigungs- und Infrastrukturprogrammen sowie leicht höhere Konsumausgaben. Die Zollkapriolen der USA sollte man nicht überbewerten. Die Zollsätze waren ohnehin zu gering, um grössere gesamtwirtschaftliche Auswirkungen zu haben. Für die Unternehmen ist jetzt Planungssicherheit wichtiger, als ob es mit den Zöllen noch einmal etwas herauf oder herunter geht.»
Jörg Krämer, Chefökonom der Commerzbank:
«Zur Wahrheit gehört aber auch, dass das Ifo-Geschäftsklima anders als in der ersten Hälfte des vergangenen Jahres noch nicht klar nach oben zeigt. Das Ausbleiben der notwendigen breiten Wirtschaftsreformen belastet die Stimmung. Rüstungsaufträge allein machen noch keinen Aufschwung. Alles in allem deuten die Daten lediglich auf eine moderate Erholung der deutschen Wirtschaft. Wir erwarten für 2026 ein Plus von 0,9 Prozent.»
Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank:
«Die Stimmung verbessert sich zwar, doch von Euphorie kann keine Rede sein. Der Ifo-Geschäftsklimaindex deutet vielmehr darauf hin, dass die wirtschaftliche Schwäche weiter anhält. Das deutliche Plus bei den Aufträgen steht im Gegensatz zum gedämpften Index. Höhere Ausgaben für Rüstung und Infrastruktur erklären dieses Bild.»
Robin Winkler, Deutschland-Chefökonom bei der Deutschen Bank:
«Der ifo-Geschäftsklimaindex zieht im Februar noch kräftiger an als an den Finanzmärkten erwartet, wie auch schon der Einkaufsmanagerindex am vergangenen Freitag. Wir sehen immer deutlichere Anzeichen, dass die Konjunktur ordentlich Schwung aufnimmt. Wir bleiben bei unserer Prognose, dass die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr stärker wachsen dürfte als allgemein erwartet wird.»
Jens-Oliver Niklasch, Ökonom bei der Landesbank Baden-Württemberg:
«Die Zahlen untermauern die Trendwende in der Industrie. Natürlich darf an dieser Stelle der Disclaimer nicht fehlen, dass die jüngsten Zolleskapaden des US-Präsidenten belasten dürften. Dennoch stellen wir fest, dass zusammen mit den Aufträgen und der Produktion auch die Frühindikatoren allmählich an Boden gewinnen. Es wäre daher verfehlt, das Bild für die deutsche Wirtschaft schwärzer zu malen als es ist. Die Prognostiker erwarten nicht ohne Grund mehrheitlich ein BIP-Wachstum von rund ein Prozent für das laufende Jahr nach drei Jahren des Stillstands. Auf der anderen Seite ist diese Erholung rein konjunkturell - der Rückenwind kommt von der Fiskalpolitik sowie der im Vorjahr vollzogenen Lockerung der Geldpolitik. Über die Strukturprobleme der deutschen Wirtschaft geben weder das ifo-Geschäftsklima noch die Monatsdaten zur Produktion Auskunft.»
Christoph Swonke, Analyst bei der DZ Bank:
«Deutschlands Wirtschaft klettert zunehmend aus dem Konjunkturtal. Das liegt vor allem an den Fiskalpaketen für Infrastruktur und Verteidigung. Trotzdem bleibt die weltweite Lage äusserst fragil. Jüngstes Beispiel ist das Urteil des Obersten Gerichtshofs in den USA zur Zollpolitik und die unmittelbaren Reaktionen darauf. Damit ist fraglich, ob das ursprünglich für morgen zur Verabschiedung angesetzte Handelsabkommen zwischen Amerika und Europa von der EU tatsächlich umgesetzt wird.»
Ralf Umlauf, Analyst bei der Landesbank Hessen-Thüringen:
«Stimmungserholung: Das Ifo-Geschäftsklima Deutschland konnte sich verbessern und hat dabei die Konsensschätzung sogar übertroffen. Die solide ausgefallenen Einkaufsmanagerindizes hatten bereits auf die Stimmungserholung bei den Unternehmen hingewiesen. Erfreulich ist, dass sowohl die Ifo-Erwartungen zulegen konnten als auch die Ifo-Lageeinschätzungen. Alles in allem hellen sich die konjunkturellen Perspektiven auf. Die Europäische Zentralbank wird sich daher in der Einschätzung bestätigt sehen, das Leitzinsniveau vorerst konstant zu halten.»
(AWP)

