Die USA haben nach ihrem Angriff auf Venezuela und der Gefangennahme des venezolanischen Präsidenten Nicolas Maduro eine Machtübernahme in dem südamerikanischen Ölförderland angekündigt. Investoren und Ökonomen sehen Chancen auf dem Ölmarkt, warnen aber vor überzogenen Erwartungen. In ersten Reaktionen hiess es:
Brian Jacobsen, Annex Wealth Management:
«Das war eine Frage des Wann, nicht des Ob. Ich bin sicher, die Leute werden die politischen und rechtlichen Aspekte diskutieren, aber aus Anlegersicht könnte dies im Laufe der Zeit massive Ölmengen freisetzen. Dies könnte auch eine Warnung an die Führungen im Iran und vielleicht sogar in Russland sein, dass der Präsident bereit und fähig ist, Veränderungen herbeizuführen.
Die Märkte schwenken manchmal in den Risikovermeidungsmodus um, wenn Konflikte erwartet werden, aber sobald der Konflikt beginnt, wechseln sie schnell in den Risikobereitschaftsmodus. Angesichts der Geschwindigkeit, mit der sich dies entwickelt hat, könnten die Ölmärkte die einzigen Märkte sein, die reagieren. Es gab reichlich Prognosen über ein Überangebot auf dem Ölmarkt, und dies wird nur dazu beitragen.»
Helima Croft, RBC Capital Markets:
«Dies ist ein enormes Unterfangen angesichts des jahrzehntelangen Niedergangs des Ölsektors. Die Erfolgsbilanz der USA bei Regimewechseln und Nation-Building ist nicht eindeutig positiv.»
Tina Fordham, Fordham Global Foresight:
«Das Gefühl von fast schon einer Goldgräberstimmung wird meiner Ansicht nach wahrscheinlich folgen, auch wenn die Geschichte post-autoritärer Übergänge sehr holprig und nichtlinear ist. Amerikas Erfolgsbilanz in der südlichen Hemisphäre ist ebenfalls ziemlich lückenhaft. Ich habe das Gefühl, dass es viel Optimismus bezüglich eines Post-Maduro-, Post-Chávez-Venezuelas gibt. Die Realität wird wahrscheinlich chaotischer sein.
Für den Handelsstart am Montag dürfte dies die Spekulationen anheizen und auch die Möglichkeit einer Veränderung im Iran. Wir haben diese Proteste (im Iran) immer wieder gesehen, das Regime ist schon sehr lange unpopulär. Diesmal gibt es eine Dynamik. Das wären zwei energieproduzierende Konsumentenmärkte, die für internationale Investoren nicht zugänglich waren und sich möglicherweise öffnen.»
Marchel Alexandrovic, Saltmarsh Economics:
«Die Ereignisse erinnern daran, dass geopolitische Spannungen weiterhin die Schlagzeilen dominieren und die Märkte antreiben. Von den ungelösten Handelsspannungen um US-Zölle über die Ukraine, den Iran, Taiwan und jetzt Venezuela ist klar, dass die Märkte mit deutlich mehr Schlagzeilenrisiko umgehen müssen, als sie es unter den früheren US-Regierungen gewohnt waren.»
(Reuters)
