Der Schweizer Aktienmarkt befindet sich am Montag im rasanten Abwärtsgang. Der Leitindex SMI verliert gegen 9.15 Uhr 2,78 Prozent auf 12'725,62 Punkte, ein Stand, den der Index zuletzt Ende November 2025 gesehen hatte. Damit gibt der SMI seine gesamten Jahresgewinne ab und notiert auf Jahresbasis 1,3 Prozent im Minus. Auf 52 Wochen verbleibt nur noch ein minimales Plus von 0,14 Prozent.

Auch der breite Markt bleibt nicht verschont: Der Swiss Performance Index (SPI) fällt um 2,42 Prozent auf 17'661,7 Punkte - so tief wie zuletzt Anfang Dezember 2025. Seit Jahresbeginn steht damit auch beim SPI ein Minus von 0,66 Prozent zu Buche. Auf 52 Wochen hält sich das Plus allerdings noch bei knapp fünf Prozent.

Auslöser ist der neuerliche Ölpreissprung vom Wochenende. Der Preis für ein Fass Rohöl der Nordseesorte Brent stieg in der Nacht auf Montag um bis zu 29 Prozent auf fast 120 Dollar und lag am Morgen noch rund 24 Prozent im Plus - der höchste Stand seit Sommer 2022. Seit Kriegsbeginn vor etwas mehr als einer Woche hat sich Rohöl um rund 50 Prozent verteuert. Hintergrund ist die sich zuspitzende Lage im Nahen Osten: Der Iran-Krieg bedroht die Durchfahrt durch die Strasse von Hormuz, über die in normalen Zeiten täglich rund ein Fünftel des weltweiten Ölhandels abgewickelt wird.

Die Verkäufe am Schweizer Markt treffen alle Titel, doch die Verluste verteilen sich ungleich. Am härtesten erwischt es den Baustoffkonzern Holcim, dessen Aktien zeitweise über 7,5 Prozent auf 60,10 Franken einbrechen. Als energieintensiver Zementhersteller gilt Holcim als besonders exponiert gegenüber einem anhaltend hohen Ölpreis, steigende Energiekosten belasten die Margen direkt. Zudem hatten die Titel seit Anfang Jahr ohnehin bereits rund 16 Prozent verloren, was den Spielraum für weitere Kursrückgänge vergrössert. Dahinter folgen der US-Baustoffableger Amrize mit minus 5,76 Prozent sowie Roche mit minus 5,42 Prozent. ABB verliert 4,58 Prozent, Sika 3,88 Prozent und Luxusgüterkonzern Richemont 3,26 Prozent.

Auffällig ist der Graben zwischen den beiden Pharmariesen: Während Roche zu den grössten Verlierern im SMI zählt, hält sich die Konkurrentin Novartis mit minus 1,05 Prozent deutlich besser. Bei Roche belasten vor allem enttäuschende Studienergebnisse, nicht der steigende Ölpreis. Am stabilsten im ganzen Index zeigt sich der Rückversicherer Swiss Re, der sogar 0,63 Prozent zulegt - ein Zeichen, dass Anleger auf defensive, konjunkturunabhängige Geschäftsmodelle setzen. Ebenfalls vergleichsweise wenig unter Druck stehen Swisscom mit minus 0,7 Prozent.

Im breiten Markt sind die Verluste teils noch ausgeprägter. Abgesehen vom Pennystock EvoNext verliert die Arzneimittelkette Cosmo mit fast 10 Prozent am deutlichsten. Auch der Halbleiterzulieferer AMS Osram büsst 6,4 Prozent ein, der Immobilienkonzern Züblin 6,22 Prozent, der Baukonzern Implenia 5,58 Prozent und der Elektronikhersteller Cicor 5,26 Prozent. Gegen den Trend stemmen sich hingegen Ascom mit einem Plus von 7,7 Prozent sowie Kudelski mit 7,2 Prozent und Feintool mit 3 Prozent. Bei Ascom dürften die heute Morgen veröffentlichten Jahresergebnisse 2025 für Auftrieb sorgen: Der Kommunikationslösungsanbieter für das Gesundheitswesen hatte bereits im Januar solide Vorabzahlen mit einem Umsatzwachstum von knapp 4 Prozent und einer deutlich verbesserten EBITDA-Marge präsentiert.

Auch im internationalen Umfeld ist die Stimmung düster. In Tokio stürzte der Nikkei zeitweise um rund 7 Prozent, in Seoul sackte der KOSPI um rund 8 Prozent ab. Investoren flüchten in sichere Häfen: Der Schweizer Franken notiert auf Allzeithoch gegenüber dem Euro, der unter die Marke von 90 Rappen gefallen ist.

(cash)