Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Juli kostete 107,55 US-Dollar und damit etwas weniger als am Vortag. In den beiden ersten Handelstagen der Woche war der Preis noch kräftig gestiegen, im Vergleich zum vergangenen Freitag ging es zeitweise um mehr als acht Dollar nach oben.

An den Finanzmärkten stehen die Gespräche zwischen dem US-Präsidenten Donald Trump und seinem chinesischen Amtskollegen Xi Jinping im Fokus, die im weiteren Verlauf der Woche erwartet werden. Bei dem Treffen dürfte auch der Iran-Krieg eine Rolle spielen, nachdem mit der Strasse von Hormus auch eine für China wichtige Handelsroute aus dem Persischen Golf seit Kriegsbeginn Ende Februar faktisch geschlossen ist.

Eine neue Prognose der Internationalen Energieagentur konnte den Preis nicht deutlicher bewegen. Die IEA rechnet wegen der Folgen des Iran-Kriegs mit einem stärkeren Rückgang der weltweiten Ölnachfrage und einem Abschmelzen der Ölreserven. Weil sich das Angebot verknappe, dürfte die globale Nachfrage nach Rohöl in diesem Jahr voraussichtlich um durchschnittlich 420.000 Barrel (je 159 Liter) pro Tag auf etwa 104 Millionen Barrel pro Tag sinken, hiess es im Monatsbericht des Interessenverbands grosser Industriestaaten. Bereits im Vormonat März hatte die IEA einen Rückgang der Nachfrage prognostiziert, aber nur um 80.000 Barrel pro Tag, nachdem der Interessenverband zu Beginn des Jahres noch von einem Anstieg der Nachfragte um täglich 770.000 Barrel ausgegangen war.

Analysten der französischen Bank Societe Generale warnen vor längerfristigen Folgen durch den Iran-Krieg. Zwar dürften die Ölpreise unmittelbar auf Meldungen über eine Wiederöffnung der Strasse von Hormus reagieren und fallen, doch «das physische Marktgleichgewicht verbessert sich erst deutlich später», warnte das Bankhaus.

(AWP)