Für Rohöl der Referenzsorte Brent aus der Nordsee mit Lieferung im September wurden 90,01 US-Dollar gezahlt und damit sieben Prozent mehr als am Vortag.

Mit einer neuen Drohung des US-Präsidenten gegen den Iran weiteten die Ölpreise ihre frühen Kursgewinne aus. Nach dem jüngsten Angriff von Teheran auf einen US-Militärstützpunkt in Jordanien kündigte er eine spürbare Reaktion der Vereinigten Staaten an. «Wir werden sie hart treffen», sagte Trump in einem Telefoninterview, über das Fox News am Mittwoch berichtete.

Zuvor war der Preis für Rohöl der Sorte Brent drei Handelstage in Folge gefallen, nachdem er in der vergangenen Woche zeitweise auf über 100 Dollar je Barrel gestiegen war. Die USA und der Iran hatten ihre gegenseitigen Angriffe zeitweise gestoppt und damit den Rückgang der Ölpreise ausgelöst.

In der vergangenen Nacht waren aber nach Informationen des US-Nachrichtenportals «Axios» iranische Raketen in Richtung eines US-Stützpunktes in Jordanien geflogen. Alle Geschosse seien abgefangen worden, teilte das US-Regionalkommando Centcom auf der Plattform X mit, ohne Angabe des Ziels der Angriffe. Derweil griffen die US-Streitkräfte nach eigenen Angaben gemeinsam mit dem Verbündeten Saudi-Arabien im Irak «Terroristen» an, die dem Iran nahestünden.

Der auf Internetseiten sichtbare Schiffsverkehr durch die Strasse von Hormus - die den Persischen Golf mit seinen Ölfördergebieten mit den Weltmärkten verbindet - blieb am Mittwoch weiter gering. Mit den jüngsten Angriffen des Iran dürfte sich an dieser Entwicklung vorerst wenig ändern.

Unterdessen greifen Industriestaaten weiter verstärkt auf ihre Ölreserven zurück. In den USA hat der Interessenverband American Petroleum Institute (API) in der vergangenen Woche einen Rückgang der Lagerbestände an Rohöl um 3,3 Millionen Barrel verzeichnet. Im weiteren Verlauf des Tages werden die offiziellen Daten der US-Regierung zur Entwicklung der Ölreserven erwartet.

Neben den Ölpreisen hat auch die Notierung für europäisches Erdgas frühe Gewinne im Handelsverlauf deutlich ausgeweitet. Der Preis für den richtungweisenden Erdgas-Terminkontrakt TTF zur Lieferung in einem Monat stieg an der Börse in Amsterdam am Nachmittag bis auf 61,54 Euro je Megawattstunde (MWh), nachdem er am Dienstag bei 56 Euro gelegen hatte.

Experten rechnen vorerst nicht mit einer Entspannung bei Transporten von Energierohstoffen wie Erdöl oder Flüssigerdgas durch die Strasse von Hormus. «Die anhaltende Bedrohung durch Raketen, Minen, Drohnen und Massnahmen Teherans wird einen erheblichen Teil des Schifffahrtsmarktes davon abhalten, sich zu engagieren», heisst es in einer Einschätzung der Investmentbank RBC Capital Markets.

(AWP)