Der Brentpreis erreichte kurzzeitig mit 85,54 US-Dollar je Barrel (159 Liter) den höchsten Stand seit Juli 2024. Zuletzt lag der Preis für die Nordseesorte Brent bei 83,11 Dollar. Das sind aber immer noch 5,80 Dollar mehr als am Vortag und über 10 Dollar mehr als zu Beginn des Iran-Kriegs. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte WTI stieg am Dienstag um 4,99 Dollar auf 76,22 Dollar.

Der Irak hat seine Ölexporte aus seiner halbautonomen Region Kurdistan zum Hafen von Ceyhan in der Türkei eingestellt, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf informierte Kreise. Etwa 200.000 Barrel Öl pro Tag wurden gestrichen. Es handle sich um Vorsichtsmassnahmen, angesichts des sich verschärfenden Konfliktes, bei dem der Iran auch immer wieder Nachbarländer angreift. Die Nachricht gab den Ölpreisen weiter Auftrieb.

Am Wochenende hatten Israel und die USA den Iran angegriffen und dabei unter anderem das Staatsoberhaupt und den Religionsführer des Landes Ajatollah Ali Chamenei getötet. Der Iran reagierte mit Gegenangriffen und schränkte ausserdem den Schiffsverkehr durch die Strasse von Hormus ein, eine der wichtigsten Engstellen des weltweiten Öl- und Gashandels.

Rund ein Fünftel der globalen Öltransporte passiert täglich die Meerenge in der ölreichen Region am Persischen Golf. Jede Störung könnte die Energiepreise steigen lassen und die internationalen Märkte verunsichern. In der Nacht auf Dienstag setzten sich die gegenseitigen Angriffe fort. Der Iran drohte zudem mit einer vollständigen Sperre der Strasse von Hormus.

«Je nachdem, wie stark das Ölangebot zurückgeht, dürfte der Ölpreis unterschiedlich stark ansteigen», schreiben Experten der Commerzbank. «Nimmt man an, dass das Ölangebot längerfristig um knapp 5 Prozent zurückgeht, dürfte dies zu einem Ölpreis von knapp 78 Dollar führen.» Derzeit scheinen die Märkte von einem solchen Szenario auszugehen. «Bei einer vollständigen Blockade von der Strasse von Hormus, durch die das Angebot um 20 Prozent zurückgehen würde, dürfte der Ölpreis auf über 100 Dollar ansteigen», erwarten die Commerzbank-Experten.

(AWP)