Angesichts der festgefahrenen Friedensgespräche zwischen den USA und dem Iran ziehen die Ölpreise weiter an. Rohöl der Sorte Brent aus der Nordsee und US-Leichtöl WTI verteuern sich jeweils um rund drei Prozent auf bis zu 108,50 Dollar und 97,10 Dollar je Barrel. In der vergangenen Woche hatten die Preise für Brent und WTI mit einem Plus von fast 17 beziehungsweise 13 Prozent die grössten wöchentlichen Zuwächse seit Kriegsbeginn verzeichnet.
Die Hoffnung auf eine Wiederbelebung der Friedensbemühungen schwand am Wochenende. US-Präsident Donald Trump hatte erklärt, der Iran könne anrufen, wenn er über ein Ende des zweimonatigen Krieges verhandeln wolle. Zudem sagte er eine geplante Reise seiner Gesandten nach Islamabad ab. Der iranische Aussenminister Abbas Aragtschi reiste unterdessen zu Vermittlern in Pakistan und im Oman, bevor er nach Russland flog. «Die diplomatische Pattsituation bedeutet, dass jeden Tag zehn bis 13 Millionen Barrel Öl nicht auf den internationalen Markt gelangen, was die ohnehin schon angespannte Ölversorgungslage weiter verschärft», sagte der Analyst Tamas Varga von PVM Oil Associates. «Daher gibt es für die Ölpreise nur eine Richtung.»
Einem Medienbericht zufolge hat der Iran unterdessen einen neuen Vorschlag zur Öffnung der Strasse von Hormus und zur Beendigung des Krieges gemacht. Der Plan sei bereits über pakistanische Vermittler übermittelt worden, berichtete das Nachrichtenportal Axios unter Berufung auf einen US-Regierungsvertreter und zwei weitere Insider. «Nach der Erfahrung vor etwa zwei Wochen, als schon einmal ähnliche Hoffnungen aufkamen, diese aber binnen 24 Stunden wieder zerstört wurden, dürfte sich die Euphorie des Marktes dieses Mal wohl deutlich in Grenzen halten», kommentierte Thu Lan Nguyen, Analystin bei der Commerzbank.
Die Investmentbank Goldman Sachs hob unterdessen ihre Ölpreisprognose für das vierte Quartal an und nannte als Grund die geringere Produktion im Nahen Osten. Sie rechnet nun mit 90 Dollar je Fass für Brent und 83 Dollar für WTI. «Die wirtschaftlichen Risiken sind grösser, als es unser Basisfall für Rohöl allein nahelegt», schrieben die Analysten und verwiesen auf ungewöhnlich hohe Preise für raffinierte Produkte, Risiken von Produktknappheit und das beispiellose Ausmass des Schocks.
Der Iran hat die Meerenge von Hormus weitgehend geschlossen; die US-Regierung verhängte eine Blockade der iranischen Häfen. Schifffahrtsdaten von Kpler zufolge passierte am Sonntag nur ein einziger Tanker die Wasserstrasse.
(Reuters)

