Das Stimmungsbarometer für die Euro-Zone sackte im April um 16,1 auf minus 19,2 Zähler ab, wie die Beratungsfirma Sentix am Dienstag zu ihrer Umfrage unter 1047 Anlegern mitteilte. Dies ist das tiefste Niveau seit April 2025. «Investoren erkennen zunehmend, dass das Risiko einer erneuten Rezession wieder in den Fokus rückt», erklärte Sentix-Geschäftsführer Patrick Hussy. Die Privatwirtschaft in der Euro-Zone verzeichnete im März bereits das schwächste Wachstum seit neun Monaten, wie aus dem Einkaufsmanagerindex des Finanzdienstleisters S&P Global hervorgeht.
Dieses unter Anlegern als valider Frühindikator für die Konjunktur geschätzte Barometer sank von 51,9 Punkten im Februar auf 50,7 Zähler. Es liegt damit nur noch leicht über der Wachstumschwelle von 50 Zählern. Dies deute darauf hin, dass die Wirtschaft bereits deutlich von den Auswirkungen des Nahost-Krieges getroffen worden sei, sagte Chris Williamson, Chefvolkswirt bei S&P Global. Die Ölpreise sind weiter auf dem Höhenflug, nachdem US-Präsident Donald Trump im Iran-Krieg sein Ultimatum an die Regierung in Teheran bekräftigt hat. Ein Barrel der Nordseesorte Brent verteuerte sich um bis zu 1,8 Prozent auf 111,80 Dollar. Trump fordert bis Dienstagabend (US-Zeit) die Öffnung der Strasse von Hormus. Sollte es bis dahin keine Einigung geben, drohte er damit, dass die US-Armee sämtliche Kraftwerke und Brücken der Islamischen Republik zerstören werde.
Vor vier Wochen sei man noch von einem kurzen Krieg mit begrenzten Auswirkungen ausgegangen, sagte DekaBank-Ökonom Andreas Scheuerle. Diese Sicht habe sich als viel zu optimistisch erwiesen. Was damals noch in die Risikoszenarien der Prognosen verbannt worden sei, sei inzwischen in Teilen Realität geworden, wie beispielsweise die weitgehende Sperrung der Strasse von Hormus oder der Angriff auf Produktionsanlagen für Energierohstoffe: «Die wütenden Drohungen des US-Präsidenten und die Bunkermentalität des Mullahregimes haben die Sorgen zuletzt noch verstärkt.»
«Gefahr einer Stagflation»
Laut S&P Global sind im Euroraum die ermutigenden Wachstumssignale zum Jahresbeginn durch galoppierende Energiepreise, gestörte Lieferketten, die Volatilität an den Finanzmärkten und einen erneuten Nachfragerückgang zunichte gemacht worden: «Der gleichzeitige Preisanstieg lässt kurzfristig die unerwünschte Gefahr einer Stagflation - oder sogar Schlimmerem - aufkommen», warnte Ökonom Williamson. Bei einer Stagflation ist die Inflation hoch und zugleich dümpelt die Konjunktur nur vor sich hin. Von einer technischen Rezession sprechen Volkswirte, wenn das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen schrumpft.
Wie aus den Umfragedaten von S&P Global hervorgeht, hat sich die Geschäftstätigkeit im Servicesektor in Deutschland im März abrupt abgeschwächt. Dass das Wachstum beinahe stagnierte, lag an der neuerlichen Nachfrageflaute: «Die hohen Preise an den Zapfsäulen und die zunehmende Unsicherheit hinterliessen ihre Spuren beim Ausgabeverhalten und sorgten dafür, dass sich das Wachstum im März so deutlich verlangsamte wie seit sieben Monaten nicht mehr», erläuterte Phil Smith, Economics Associate Director bei S&P Global.
Nachdem sich die Verbraucherstimmung hierzulande bereits im März trübte, erreicht sie im April einen neuen Tiefpunkt in diesem Jahr. Das geht aus dem aktuellen Konsumbarometer des Handelsverbandes Deutschland (HDE) hervor. Die Konsumlaune befindet sich demnach derzeit auf Talfahrt: «Die weiteren wirtschafts- und geopolitischen Entwicklungen werden darüber entscheiden, ob sich die Verbraucherstimmung absehbar wieder erholen kann oder nicht», erklärte der Verband.
Wegen der Folgen des Iran-Kriegs erwarten die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute, dass die Wachstumskräfte hierzulande versiegen. Die Anstiege der Rohstoffpreise dürften demnach zu erhöhten Verbraucherpreisen führen und damit die Kaufkraft der Haushalte belasten. Die Institute rechnen für dieses Jahr nur noch mit einem BIP-Anstieg von 0,6 Prozent. In der Herbstprognose hatten sie noch ein Plus von 1,3 Prozent veranschlagt.
(Reuters)

