Der Chef des österreichischen Öl-, Gas- und Chemiekonzerns OMV, Alfred Stern, hat vor einem möglichen weiteren Anstieg der Ölpreise gewarnt und eine Steuersenkung als einzigen Weg zu billigerem Sprit bezeichnet. «Meiner Meinung ‌nach haben ⁠wir ein echtes Problem», sagte Stern am Samstag im ORF-Radio. Der Krieg im Nahen Osten habe zu ⁠einer spürbaren Verknappung auf den Öl- und Treibstoffmärkten geführt. Da die OMV nur rund 50 Prozent des österreichischen Bedarfs selbst produziere, müsse der ‌Rest zu den an den internationalen Märkten geltenden Preisen importiert werden. «Tatsache ist, die Preise ‌werden nicht in der Raffinerie gebildet», sagte Stern. Wenn ​Europa nicht bereit sei, die Marktpreise zu zahlen, würden Lieferungen in andere Regionen wie Asien umgeleitet. «Entweder müssen wir die hohen Preise bezahlen oder wir werden weniger davon haben.» Oberste Priorität habe die Versorgungssicherheit.

Derzeit bewegt sich der Preis für ein Fass Rohöl um die Marke von 100 Dollar. Für 2026 prognostiziert die OMV bislang einen durchschnittlichen ‌Brent-Rohölpreis von rund 65 Dollar je Barrel. Es bestehe jedoch die Möglichkeit, dass der Ölpreis noch weiter nach oben gehe, sagte Stern. Für eine Erhöhung der Prognosen sei es aber noch zu früh. Dies hänge von der weiteren geopolitischen ​Entwicklung sowie von der globalen Nachfrage und Wirtschaftslage ab. Eine konkrete neue Prognose nannte ​er nicht und verwies auf die Unvorhersehbarkeit der Märkte. Als Beispiel führte ​er den Gaspreisschock von 2022 an, als die Preise zeitweise auf rund 200 Euro je Megawattstunde gestiegen seien – ein Szenario, das zuvor ‌kaum jemand für möglich gehalten habe.

Angesichts der aktuellen Debatte in Österreich über hohe Spritpreise und mögliche Krisengewinner wies Stern den Vorwurf zurück, die OMV profitiere übermässig. Er verwies darauf, dass der Staat deutlich mehr an den Treibstoffpreisen verdiene ​als das ​Unternehmen. Die OMV habe mit ihren vier Raffinerien weltweit 2025 ⁠ein operatives Ergebnis von rund 1,1 Milliarden Euro erzielt. Dem stünden ​Steuereinnahmen gegenüber: Allein aus Mineralöl-, ⁠CO2- und Mehrwertsteuer habe das österreichische Finanzministerium 2,6 Milliarden Euro eingenommen.

Um die Verbraucher an der Zapfsäule zu entlasten, ‌sei eine Steuersenkung der einzige Hebel, der die Versorgung nicht gefährde, sagte Stern. Staatliche Eingriffe wie Preisdeckel oder Margenbegrenzungen lehnte er ab. Diese könnten zu einer «Austrocknung» an den Tankstellen führen. In Österreich ‌wird derzeit politisch darüber diskutiert, wie die Belastungen für Autofahrer gedämpft werden können; dabei ​stehen auch mögliche Übergewinne von Energiekonzernen im Fokus. Skeptisch äusserte sich Stern auch zu jüngsten Regierungsmassnahmen, Preiserhöhungen auf bestimmte Tage zu beschränken. Dies könne zu zusätzlicher Volatilität und zu einem Ansturm auf Tankstellen kurz vor den Stichtagen führen. 

(Reuters)