Man wolle sicherstellen, den bestmöglichen Zeitpunkt ⁠für den Gang an die Börse zu wählen, um den Wert für alle Aktionäre zu maximieren, sagte eine OMV-Sprecherin auf Anfrage ‌der Nachrichtenagentur Reuters. Einen konkreten Zusammenhang mit dem Konflikt im Nahen Osten gebe ‌es nicht. Der rechtliche Zusammenschluss der Töchter Borealis, Borouge ​und Nova unter dem Dach der BGI solle bis Ende März vollzogen werden, bekräftigte die OMV den Zeitplan.

Die Notierung der Aktien von BGI an der Börse in Abu Dhabi, der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), sowie eine Kapitalerhöhung seien nun jedoch - abhängig von den Marktbedingungen - erst für 2027 geplant. Durch die Fusion entsteht der viertgrösste ‌Polyolefin-Produzent der Welt mit einer Kapazität von 13,6 Millionen Tonnen. Nach Abschluss der Transaktion wird BGI zu je 50 Prozent von OMV und der Adnoc-Tochter XRG gehalten.

Die Verschiebung hat direkte Folgen für die OMV-Aktionäre. Um die Bilanz der ​neuen Holding zu stärken, werden die Ausschüttungen zunächst geringer ausfallen. Für 2026 erwartet OMV ​eine um rund 0,60 bis 0,70  Euro je Aktie niedrigere Dividende ​als bisher angenommen. Der Beitrag von BGI zur OMV-Dividende sinkt damit auf 250  Millionen Dollar nach zuvor erwarteten 500 Millionen Dollar. ‌OMV und Adnoc vereinbarten zudem, bei Bedarf weitere Unterstützungsmassnahmen zu prüfen, um das Investment-Grade-Rating von BGI zu sichern.

Zur Stärkung der Ertragskraft vor dem Börsengang vereinbarten die Partner eine Vermarktungslösung für den neuen Produktionskomplex Borouge 4 in den Vereinigten Arabischen Emiraten. ​Die Anlage ​soll erst ab 2029 in die BGI-Bilanz übernommen werden. ⁠Der Deal soll BGI in den kommenden drei Jahren einen kumulierten ​Nettogewinn von 400 Millionen ⁠Dollar bescheren und das Ergebnis nach der Hochlaufphase jährlich um rund zehn Prozent steigern.

Für die Minderheitsaktionäre der bereits ‌in Abu Dhabi gelisteten Tochter Borouge bedeutet der neue Zeitplan ebenfalls Wartezeit. Das geplante Umtauschangebot ihrer Papiere in Aktien der neuen BGI verschiebt sich parallel zum Börsengang auf 2027. Bis dahin sicherte ‌BGI jedoch die Zahlung einer Mindestdividende zu.

Unklar bleibt weiterhin die Führungsspitze der OMV. ​Zehn Monate nach der Ankündigung von OMV-Chef Alfred Stern, seinen bis Ende August 2026 laufenden Vertrag nicht zu verlängern, haben sich die Grossaktionäre - die österreichische Staatsholding ÖBAG und Adnoc - noch nicht auf einen Nachfolger verständigt.

(Reuters)