Speiser meint

Online-Apotheke - Zur Rose: Walter Oberhänsli macht alles richtig

Walter Oberhänsli, Chef der Online-Apotheke zur Rose, hat ein Problem: Er kann seine Strategie nicht überzeugend verkaufen. Das sollte langfristige Investoren nicht stören.
04.03.2019 12:00
Von Marcel Speiser
Marcel Speiser, Stv. Chefredaktor «Handelszeitung».
Marcel Speiser, Stv. Chefredaktor «Handelszeitung».
Bild: ZVG

Europas grösste Online-Apotheke Zur Rose ist kein Börsen-Highflyer. In den letzten zwölf Monaten hat die Aktie über 20 Prozent verloren. Allein heute Vormittag ging es mit dem Titel fast 4 Prozent talwärts. Dies nachdem zwei Verwaltungsräte – darunter Ankeraktionärin Vanessa Frey – bekanntgegeben haben, wegen strategischer Differenzen nicht zur Wiederwahl anzutreten.

Es ist offensichtlich: Chef und VR-Delegierter Walter Oberhänsli hat ein Problem, seine Strategie überzeugend zu verkaufen. Dabei macht er genau das Richtige: Er investiert, was das Zeug hält. In den letzten Monaten hat Zur Rose über die Tochter Doc Morris diverse Konkurrenten übernommen und integriert – und so den Abstand zum Hauptrivalen Shop Apotheke ausgebaut. Zudem hat Oberhänsli in Spanien die Apotheken-Plattform Promofarma gekauft – und will mit dieser in Südeuropa schnell wachsen. Kurz: Oberhänsli expandiert, was das Zeug hält. Dass die Profitabilität der Unternehmens dabei regelmässig unter den Erwartungen seiner Geldgeber bleibt, nimmt er billigend in Kauf. Denn im Online-Apothekengeschäft gilt das Gleiche wie in fast jedem E-Commerce-Business: The winner takes it all.

Wer in Zur Rose investiert, muss wissen, dass die Aktie keine kurzfristigen Gewinne verspricht. Auch Investorin Vanessa Frey – sie hält gut 10 Prozent der Titel – muss das wissen. Dennoch scheint sie sich nun mit Oberhänsli und seiner Strategie überworfen zu haben. Für das Unternehmen dürfte das zu verschmerzen sein, selbst für den wahrscheinlichen Fall, dass Frey sich nicht nur vom Unternehmen, sondern auch von ihrem Zur-Rose-Paket lösen wird.

Die Aktien als Ganzes zu platzieren, dürfte nicht allzu schwierig sein. Family Offices lechzten geradezu nach überschaubaren Investments, die viel Rendite versprechen. Wer die gut 80 Millionen Franken aufwerfen kann, die das Frey-Paket Wert sind, dem winkt die Chance, zum Ankeraktionär eines veritablen europäischen Champions zu werden.

 

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