Onlinehandel - Rückschlag für Zur Rose: E-Rezept in Deutschland wird später eingeführt

Bei der Einführung des für die Online-Apotheke Zur Rose so wichtigen elektronischen Rezepts in Deutschland ist die Testphase verlängert worden.
30.09.2021 11:19
Eine Zur-Rose-Mitarbeiterin bei der Arbeit am Hauptsitz in Frauenfeld.
Eine Zur-Rose-Mitarbeiterin bei der Arbeit am Hauptsitz in Frauenfeld.
Bild: ZVG

Definitiv eingeführt werden soll das E-Rezept aber weiterhin ab Januar 2022: Dann sollen gesetzlich Versicherte in Deutschland statt wie bisher rosa Zettelchen neu QR-Codes bekommen.

Die seit Juli laufende auf drei Monate angelegte Testanwendung in einigen Praxen, Klinken und Apotheken in Berlin und Brandenburg laufe nun bis Ende November, teilte die für das E-Rezept zuständige Firma Gematik am Donnerstag mit. Die ursprünglich per 1. Oktober geplante freiwillige deutschlandweite Einführung wird damit vorerst auf Eis gelegt. Ärzte können die Digitalverschreibung also noch nicht in ganz Deutschland anbieten.

Ohnehin hätten dies aber wohl nur wenige schon im Oktober getan. Denn ein Grund für die Planänderung ist, dass viele Arztpraxen technisch noch gar nicht in der Lage sind, E-Rezepte auszustellen. Es mangelt an zertifizierten Updates für ihre Praxisverwaltungssysteme. Zudem machen noch zu wenige Krankenkassen beim E-Rezept von Gematik mit, als dass eine flächendeckende Einführung aussichtsreich wäre. In den kommenden Monaten soll sich die Situation verbessern.

Massiv höheres Umsatzpotenzial dank E-Rezept

Bekanntermassen erhofft sich Zur Rose über ihre europäische Dachmarke Doc Morris besonders stark von der obligatorischen Einführung des E-Rezepts in Deutschland zu profitieren. Die Reform wird allgemein als wichtigster Umsatztreiber für Online-Apotheken wie Zur Rose und den grossen Konkurrenten Shop Apotheke gesehen. Bis in drei bis fünf Jahren visiert Zur Rose eine massive Umsatzsteigerung auf 4 Milliarden Franken an. 2020 setzte Zur Rose inklusive Übernahmen rund 1,75 Milliarden um.

Mit dem E-Rezept soll nämlich die Zettelwirtschaft bei Rezepten beendet werden - derzeit bekommen gesetzlich Versicherte in Deutschland jedes Jahr etwa 500 Millionen Verschreibungen. Ab nächstem Jahr sollen sie einen QR-Code erhalten, entweder auf dem Smartphone per App oder ausgedruckt.

Insbesondere der Zugriff auf die Digitalverschreibung per App soll Abläufe zwischen Arzt und Patient praktischer machen, etwa wenn man eine Videosprechstunde wahrgenommen hat und der Arzt danach kein Papierrezept per Post zuschicken muss. Völlig verschwinden dürften die Papierrezepte in Deutschland aber nicht, zum Beispiel bei Hausbesuchen soll es sie weiterhin geben. Für privat Versicherte gilt das Digitalrezept nicht.

(AWP)