Mitten in der Versorgungskrise durch den Iran-Krieg will die Ölförder-Organisation Opec+ ihre Produktion ausweiten. ‌Man werde ⁠die Fördermenge für September um rund 188.000 Barrel pro Tag erhöhen, um den Ölmarkt zu stabilisieren, erklärte die Allianz nach einer ⁠Schaltkonferenz am Sonntag. Sie äusserte sich allerdings nicht zum Vorgehen für Oktober bis Dezember. Zur Opec+ gehören die Organisation erdölexportierender Länder (Opec) sowie weitere Ölproduzenten wie Russland, Kasachstan ‌oder Oman. Die Opec teilte mit, beteiligt an der Ausweitung der Fördermengen seien die ‌sieben Staaten Saudi-Arabien, Russland, Kuwait, Irak, Algerien und Oman. Das nächste Treffen ​finde am 6. September statt.

Mit der Erhöhung im September wird die schrittweise Rücknahme einer ursprünglich 2023 vereinbarten Kürzung von 1,65 Millionen Barrel pro Tag abgeschlossen. Am damaligen Beschluss waren noch die Vereinigten Arabischen Emirate beteiligt, die die Opec jedoch im Mai verlassen haben.

Der Konflikt im Nahen Osten hat den Ölpreis nach oben getrieben und Tanken nahezu weltweit verteuert. Vor dem Beschluss vom Sonntag hatte ‌es in Kreisen der Opec+ geheissen, die Allianz plane nach September keine weitere Steigerungen bis zum Jahresende. Grund dafür sind demnach potenziell schwierige Verhandlungen über neue Förderquoten. Die Opec+ prüft derzeit die Förderkapazitäten ihrer Mitglieder. Dies soll als Grundlage für die Förderquoten ab 2027 dienen. ​Einige Mitglieder, darunter der Irak, drängen auf höhere Einzelquoten, um ihre gestiegenen Kapazitäten widerzuspiegeln.

Eine Pause sei ​nach wie vor eine realistische Option, sagte Jorge Leon, Analyst bei Rystad. «Die ​OPEC+ hat die Rücknahme ihrer freiwilligen Kürzungen abgeschlossen.» Die nächste Herausforderung bestehe darin, mit dem Überschuss umzugehen, der entstehen könnte, sobald sich die Ölexporte normalisierten.

Kuwait steigert Förderung trotz Hormus-Blockade

Die sieben Kernmitglieder der Opec+ hatten ihre monatlichen Förderquoten in diesem Jahr bereits mehrfach erhöht. Diese Erhöhungen waren jedoch Insidern zufolge in der Praxis weitgehend folgenlos, da die Kriege im Iran und in der Ukraine die Exporte aus der Golfregion, Russland und Kasachstan beeinträchtigten.

Die ​gestiegene kuwaitische ​Produktion deutet jedoch darauf hin, dass die Ölflüsse durch die Strasse ⁠von Hormus aufrechterhalten werden. Kuwait steigerte seine durchschnittliche Rohölförderung im Juli auf 1,971 ​Millionen Barrel pro Tag, nach rund ⁠1,65 Millionen im Juni, wie eine mit der Angelegenheit vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters sagte. Im Mai hatte die Produktion des ‌Landes wegen der Folgen des Iran-Kriegs bei nur 580.000 Barrel pro Tag gelegen. Vor der faktischen Schliessung der Meerenge durch den Iran Ende Februar hatte Kuwait noch 2,5 Millionen Barrel pro Tag gefördert.

Um möglichen Angriffen durch den ‌Iran zu entgehen, haben die Ölproduzenten am Golf zuletzt Tanker eingesetzt, deren Ortungssignale abgeschaltet waren. Eine ​Stellungnahme des staatlichen Ölkonzerns Kuwait Petroleum Corporation lag zunächst nicht vor. Ein Ausschuss der Opec+ äusserte sich besorgt über Angriffe auf die Energieinfrastruktur und betonte, wie wichtig die Sicherung der Schifffahrtswege sei, um die Energieversorgung des Marktes zu gewährleisten. 

(Reuters)