Netflix verzichtete auf eine erneute Nachbesserung seiner Offerte und überliess ‌dem ⁠Rivalen Paramount Skydance das Feld. «Die Transaktion ist finanziell nicht mehr attraktiv», teilte der Streamingdienst am Donnerstag (Ortszeit) mit. Anleger reagierten erleichtert. ⁠Die in Frankfurt notierten Netflix-Aktien stiegen am Freitag um bis zu zehn Prozent.

Paramount hat sein Angebot mehrmals nachgebessert und will 31 Dollar ‌je Warner-Aktie zahlen. Darüber hinaus erhalte das Unternehmen eine Entschädigung von sieben Milliarden ‌Dollar, sollte die Transaktion an kartellrechtlichen Hürden scheitern. Paramount übernimmt ​auch die Abfindung von 2,8 Milliarden Dollar, die Warner für ein Scheitern der Netflix-Offerte zahlen muss.

Dennoch sträubte sich das Warner-Management lange gegen eine Übernahme durch Paramount. Es begründete dies damit, dass die Finanzierung auf «wackligen Beinen» stehe. Am Dienstag bezeichnete die Führung das aktuelle Paramount-Angebot erstmals als überlegen. Sie betonte dabei jedoch, dass noch keine Entscheidung gefallen sei.

Netflix hat 27,75 Dollar je Warner-Aktie geboten. Den Konzern interessieren jedoch nur die Kino- und die Streaming-Sparte sowie die Film- und Fernsehrechte von Warner Bros. Hierzu zählen Klassiker wie «Casablanca», die «Harry Potter»-Reihe oder die Serie «Game of Thrones». Das ​schwächelnde TV-Geschäft von Warner sollte ausgelagert und an die Börse gebracht werden.

Ein Berater sagte, er ​habe Netflix von einer Anhebung des Angebots abgeraten. «Es hat keinen Sinn, ​mit jemandem auf Kollisionskurs zu gehen, der nicht einlenken will.» Er spielte damit auf den Oracle-Gründer und Milliardär Larry Ellison an, den Vater des ‌Paramount-Chefs David Ellison. Larry Ellison unterstützt die Paramount-Offerte mit einer persönlichen Finanzierungsgarantie.

Die Fusion von Paramount und Warner vereint zwei der grössten Hollywood-Filmstudios sowie die beiden Streamingdienste Paramount+ und HBO Max. Letzterer ist seit wenigen Wochen offiziell in Deutschland verfügbar. ​Zum neuen ​Konzern gehören zudem der Nachrichtenkanal CNN sowie der Bezahlsender ⁠HBO. Experten erwarten daher eine Prüfung der Transaktion durch Kartellbehörden innerhalb und ​ausserhalb der USA.

«Angesichts des politischen ⁠Umfelds scheint eine Genehmigung durch die US-Bundesbehörden wahrscheinlich», schrieben die Analysten des Vermögensverwalters Cowen. Sie verwiesen auf die engen Verbindungen ‌von Larry Ellison zu US-Präsident Donald Trump. Dieser hatte vor einigen Monaten zunächst angekündigt, sich in die Prüfung einer Warner-Übernahme einzuschalten, war dann aber zurückgerudert. Die Beteiligungsfirma von Trumps Schwiegersohn Jared Kushner ist ‌einer von Paramounts Geldgebern für den Warner-Deal.

Widerstand könnte jedoch von den Behörden einiger US-Bundesstaaten ​wie Kalifornien kommen, betonten die Cowen-Experten. «Europäische Regulierer werden voraussichtlich auch ein Wörtchen mitreden wollen.» Der kalifornische Justizminister kündigte eine «intensive Prüfung» der Fusion an.

(Reuters)