Sollte der Vorschlag über eine Lockerung der Kapitalanforderungen umgesetzt werden, könnte die Belastung für die UBS um Milliarden Dollar reduziert werden, die sie durch einen vom Bund eingereichten Gesetzentwurf zu tragen hätte, wie mit der Angelegenheit vertraute Personen Reuters gegenüber mitteilten.
Der im April dem Parlament vorlegte Gesetzentwurf zielt darauf ab, strengere Regeln einzuführen, um eine Wiederholung des Zusammenbruchs der Credit Suisse zu verhindern. Dazu soll die UBS ihre ausländischen Tochtergesellschaften vollständig mit Kernkapital der Stufe 1, dem sogenannten Common Equity Tier 1 (CET1), absichern.
Die UBS, die seit der Übernahme der Credit Suisse im Jahr 2023 die einzige verbleibende globale Grossbank der Schweiz ist, hat den vorgeschlagenen Regulierungsplan als «extrem» kritisiert.
Laut vier mit den Diskussionen vertrauten Personen würde die UBS nach den neuen Vorschlägen ihre ausländischen Tochtergesellschaften mit etwa siebzig bis achtzig Prozent CET1-Kapital statt der von der Regierung geforderten einhundert Prozent absichern müssen.
Die Quellen baten um Anonymität, da die Diskussionen über die Vorschläge vertraulich sind.
Nach der Veröffentlichung des Reuters-Berichts stiegen die UBS-Aktien im frühen Handel um zwei Prozent und erreichten damit ihren höchsten Stand seit 2008.
Zuvor hatten Parlamentarier bereits einen separaten Kompromissvorschlag unterbreitet, der eine Mindestabsicherung von fünfzig Prozent mit CET1-Kapital vorsah. Dieser Vorschlag lag auch auf dem Tisch bei einer Marathonanhörung im letzten Monat, als Spitzenvertreter der Regierung und UBS-Führungskräfte gemeinsam vor Parlamentariern in einer hitzigen Sitzung in Bern erschienen.
Überwindung politischer Hürden
Die Bemühungen der Regierung, strengere Kapitalanforderungen durchzusetzen, haben den Aktienkurs der UBS belastet und zu Spannungen zwischen Finanzministerin Karin Keller-Sutter und der UBS geführt. Dabei stehen die Sorgen um die finanzielle Stabilität der Schweiz den Bedenken hinsichtlich der Wettbewerbsfähigkeit der Bank gegenüber.
Die Regierung schätzt, dass ihr Plan die UBS veranlassen würde, zusätzliches CET1-Kapital in Höhe von etwa zwanzig Milliarden Dollar aufzubringen.
Laut Analysten, die sich gegenüber Reuters äusserten, würde eine CET1-Absicherung von achtzig Prozent diese Summe jedoch auf etwa fünfzehn Milliarden Dollar reduzieren. Eine Forderung von fünfzig Prozent CET1 könnte es der UBS sogar ermöglichen, mit dem aktuellen Kernkapitalniveau weiterzuarbeiten.
Obwohl die aktuellen parlamentarischen Diskussionen der Geheimhaltungspflicht des Ausschusses unterliegen, deutete UBS-CEO Sergio Ermotti letzte Woche an, dass die Bank durch die Umstrukturierung zumindest «ein blaues Auge» davontragen werde.
Um die Wettbewerbsfähigkeit der UBS zu stärken, hoffen einige Parlamentarier, teilweise auf weniger teures Additional Tier 1-Kapital (AT1) neben CET1 setzen zu können. Die Regierung betrachtet AT1 jedoch als riskanter.
Die derzeit im Parlament diskutierten Vorschläge sehen vor, dass AT1-Kapital in unterschiedlichen Anteilen in die Berechnung einfließt.
Zwei der Quellen und eine dritte mit den Diskussionen vertraute Person berichteten zudem, dass Parlamentarier erwägen, eine Gebühr, die die UBS für eine geplante öffentliche Liquiditätsrücklage – ein finanzielles Sicherheitsnetz für Grossbanken – zahlen muss, an ihre Kapitalanforderungen zu koppeln.
Der zuständige Ausschuss des Ständerats, der sich aktuell mit dem Bankengesetz befasst, gilt als eher verständnisvoll gegenüber dem Argument der UBS, dass teure Regulierungen ihrem Geschäft und der Wirtschaft schaden könnten.
Wenn das Gesetz später in diesem Jahr zur Abstimmung im Parlament kommt, werden jedoch viele Parlamentarier wahrscheinlich eine strengere Regulierung der Bank fordern. Das Ergebnis wird massgeblich von den gemässigteren und zentristischen Parteien abhängen.
Ein Kompromiss zwischen fünfzig und einhundert Prozent CET1-Absicherung für die ausländischen Tochtergesellschaften der UBS könnte daher aus dem Ausschuss hervorgehen, während die Parlamentarier einen Vorschlag verfolgen, der robust genug ist, um eine Plenarabstimmung zu bestehen, wie zwei der Quellen sagten.
(Reuters)
