Passive Fonds - Was Sie über Anleihen-ETF wissen müssen

Für kostengünstige Anlagestrategien sind Exchange Traded Funds oder ETF zentral. Auch Anleihen-ETF spielen eine wichtige Rolle. Was Anleger über diese Finanzprodukte wissen müssen.
18.06.2018 06:47
Von Marc Forster
Namen von Fondsgesellschaften und Vermögensverwalter an einer Messe in Frankfurt.
Namen von Fondsgesellschaften und Vermögensverwalter an einer Messe in Frankfurt.
Bild: cash

ETF oder "Exchange Traded Funds" sind beliebt - vor allem in der Form von Aktien-ETF, die Indices wie beispielsweise den SMI oder den deutschen Dax oder einen der vielen Börsenbarometer von MSCI abbilden. ETF erfordern nur wenige Eingriffe durch Fondsmanager und sind daher bei den Gebühren deutlich billiger als traditionelle, so genannt aktiv gemanagte Fonds.

Neben den Aktien-ETF gewinnen Anleihen-ETF an Bedeutung. Letztere bilden wie ihre Aktien-, Immobilien- oder Rohstoffpendants Indices ab. In diesem Falle bestehen sie aus Staatsanleihen, Unternehmensanleihen oder einer Mischung aus beidem.

Anlagestrategien, die den Kunden möglichst tiefe Gebühren in Aussicht stellen wollen, kommen um Anleihen-ETF kaum herum. So enthalten etwa die ETF-Strategien von cash zu einem Teil Anleihen-ETF. Ein Beispiel, wo Anleihen-ETF eine wichtige Rolle spielen, sind auch die noch jungen Robo-Advisors, die oft schwergewichtig auf passive Anlagen setzen.

Auch für Privatanleger geeignet

In Anleihen-ETF stecken heute rund 800 Milliarden Dollar. Ein grosser Teil davon stammt von institutionellen Investoren, also Anlegern aus der Finanzindustrie. Dies heisst aber nicht, dass Privatanleger dazu keinen Zugang haben. "Anleihen-ETF sind gerade für Privatanleger mit kleineren oder mittleren Vermögen prinzipiell eine gute Idee, denn Direktinvestitionen in Anleihen sind eher für institutionelle Anleger geeignet", sagt Florian Schubiger, Mitbegründer des Finanzberatungsunternehmens Vermögenspartner.

Anleihen-ETF zur Diversifizierung des Portfolios einzusetzen, im Sinne eines Rendite-Risiko-Profils, wird von Experten für Privatanleger empfohlen. Wenn sich die Aktien- und die Anleihenmärkte unterschiedlich entwickeln, stabilisiert eine Streuung mit unterschiedlichen ETF das Portfolio.

Komplexität des Anleihenmarktes

Anleihen sind komplizierter als Aktien. Während Firmen oft nur eine Aktie ausstehen haben, können Anleihenschuldner verschiedene Papiere nebeneinander ausgeben. Staats- und Unternehmensanleihen existieren mit unterschiedlichen Laufzeiten und verschiedenen Konditionen, auch wenn sie von derselben Regierung oder derselben Unternehmung stammen. Dazu kommt die für manche verwirrende Tatsache, dass bei Anleihen der Kurs sinkt, wenn die Rendite steigt.

Gerade weil Obligationen so kompliziert sind, werden sie durch ETF einfacher investierbar. Wer einen Anleihen-ETF hat, muss sich beispielsweise nicht um die die Anpassung der Laufzeiten kümmern.

Auswahl der Anleihen-ETF

Wer in eine Anlagestrategie eines Finanzdienstleisters investiert, kann Finanzinstrumente nicht selber auswählen. "Wichtig ist aber, dass sich Anleger informieren, was in einem Index für Anleihen enthalten sind", sagt Florian Schubiger. Index-Kriterien, nach denen Anleihen-ETF aufgelegt werden, sind vor allem geographische Regionen, Währungen und Kredit-Ratings. Bei letzerem ist für Privatanleger wichtig, dass die Anleihen über das Gütesiegel "Investment Grade" verfügen, also ein Rating, das nicht tiefer als BBB liegt.

Wichtiges Kriterium ist auch die Rendite auf Verfall. Darunter versteht man die erwartete Rendite, wenn die Obligationen bis zum Ende der Laufzeit gehalten werden. In die Berechnung fliessen der Anleihen-Kurs, der Nennwert, die Verzinsung beziehungsweise den Coupon und die Laufzeit ein. Im Moment sind bei ETF mit Schweizer Wertschriften die Unternehmensanleihen etwas im Vorteil.

Beim von iShares aufgelegte ETF  Core CHF Corporate Bond mit Schweizer Unternehmensanleihen ist die Rendite seit Anfang Jahr zwar mit -0,88 Prozent negativ - zieht man davon die Gebühren von 0,15 Prozent ab, liegt die Rendite noch tiefer -1 Prozent. Die Rendite schwankt aber. 2017 lag sie mit 0,56 Prozent, im Plus also, auch wenn die Gebühren abgezogen werden. Beim UBS-ETF mit Schweizer Staatsanleihen SBI Domestic Government 3-7 beträgt die Verfallsrendite seit Anfang Jahr -0,44 Prozent. Im vergangenen Jahr war sie mit -0,73 Prozent ebenfalls negativ, was letztlich nur die Minus-Renditen der Schweizer Bundesobligationen wiedergibt. Solche ETF befinden sich allerdings zum Teil bei Investoren, die sie wegen regulatorischer Auflagen halten.

Tiefe Zinsen

Anleihen-ETF sind auch dem Risiko sich verändernder Zinsen ausgesetzt. Wer also den stabilisierenden Effekt dieser ETF sucht, sollte dabei auf langfristig laufende Anleihen setzen. "Mit einem Anleihen-ETF auf Staats- oder qualitativ hochwerte Unternehmensanleihen kann man sich derzeit keine hohe Rendite erhoffen. Sie eignen sich aber auch im aktuellen Umfeld als Schutz in Krisenzeiten", sagt Andreas Homberger, Leiter Research beim ETF-Spezialisten Hinder Asset Management.

In den heutigen Tiefzinszeiten ist es tatsächlich so, dass Anleihen-ETF nicht viel mehr ausrichten können, als ein Portfolio zu diversifizieren. Wer mit Obligationen Geld verdienen will, müsste sich stärker den aktiven Anleihen-Produkten zuwenden. Abwerten soll dies die Anleihen-ETF aber nicht. Denn: "Steigen einmal die Zinsen, werden Anleihen-ETF klar interessanter", sagt Florian Schubiger von Vermögenspartner.

Ausländische Anleihen-ETF

Ausländische Anleihen-ETF rentieren zum Teil deutlich besser als solche aus der Schweiz. Im Moment führen dort die USA, und zwar mit Unternehmensanleihen. Bei ausländischen ETF muss aber immer Währungsrisiko beachtet werden, das man als Anleger entweder hinnimmt, oder gegen zusätzliche Gebühren absichert.

Beispiele von ausländischen Anleihen-ETF

Name Typ Rendite seit 1.1. 2018 Kostenquote (TER)
SPDR Barclays 0-3 year US Corporate Bond US-Unternehmensanleihen, Investment Grade 2,24 % 0,2 %
SPDR BofA Merill Lynch 0-5 year EM USD Government Bond Schwellenländer-Staatsanleihen 1,03 % 0,42 %
iShares Global Aggregate Bond USD Hedged Staats- und Unternehmenanleihen weltweit, Investment Grade 0,61 % 0,1 %

Daten: cash.ch

Um dem Problem tiefer Renditen auszuweichen, könnten Anleger auf Anleihen aus Schwellenländern zurückgreifen. Dort sind die Zinsen besonders hoch. Aber da hat Andreas Homberger eine Warnung parat: "Bei Schwellenland-Anleihen ist zwar die Rendite um einiges höher, aber wegen der viel höheren Risiken eignen sie sich nicht als Stabilitätsfaktor." Der in der Tabelle aufgeführte Schwellenland-Staatsanleihen-ETF von Bank of America Merrill Lynch verfügt gemäss Fact Sheet sowohl über Anleihen mit und ohne Investment-Grade.