Kunden werden für Cremes und Kosmetika wie Mascara, Lippenstifte & Co. wohl wegen des Iran-Konflikts tiefer in die Taschen greifen müssen. «Wir beobachten steigende Kosten aufgrund der Energiepreisinflation, die durch Lieferverzögerungen noch verschärft wird», sagt Simone Dominici, Chef des italienischen Kosmetikkonzerns Kiko. «Da so viele Container im Nahen Osten festsitzen, ist die Verfügbarkeit von Containern knapper und die Waren werden nicht effizient bewegt.» Höhere Kosten für einige chemische Komponenten und Verpackungen, die oft aus Fernost stammen, würden den Druck weiter erhöhen.
Die Branche treffe neben den höheren Kosten zudem auf eine durch die Inflation geschwächte Kaufkraft der Verbraucher. «Das ist der perfekte Sturm», sagt Dominici. Für Kiko schätzt er die zusätzlichen Logistikkosten im laufenden Jahr auf rund 1,5 Millionen Euro. Die Firma verkauft Lippenstifte ab fünf Euro und Mascara ab 7,50 Euro und betreibt weltweit über 1000 Filialen.
Mit seinen Befürchtungen steht Dominici nicht allein da: Unter den Kosmetikunternehmen, die sich kürzlich auf der Cosmoprof, einer der grössten Branchenmessen im norditalienischen Bologna trafen, wächst die Sorge über die Auswirkungen der seit fünf Wochen andauernden Blockade der Strasse von Hormus durch den Iran. Sie warnen vor steigenden Kosten für Rohstoffe, Verpackungen und Logistik sowie vor längeren Lieferzeiten.
Beim Behälterhersteller Yonwoo, der unter anderem L'Oreal beliefert, heisst es, es gebe Schwierigkeiten, Bestände an Kunststoffgranulat für die Herstellung von Tiegeln zu sichern. Die ebenfalls in Italien ansässigen Auftragshersteller Intercos und die Ancorotti Group erklären, sie sähen sich zwar noch keinen grösseren Engpässen gegenüber. Sie nennen aber höhere Logistikkosten, längere Lieferzeiten und steigende Rohstoffpreise als grösste Herausforderungen.
«Die Lieferzeiten haben sich verlängert, da die Routen länger und die Häfen überlasteter sind», sagt Roberto Bottino, Geschäftsführer von Ancorotti. «Was früher acht Wochen dauerte, kann jetzt zwölf bis 14 Wochen in Anspruch nehmen.» Einige Kunden seien daher auf den Schienentransport nach Asien ausgewichen. Es sei schwer vorstellbar, dass die Kostensteigerungen in der Lieferkette nicht letztlich an die Verbraucher weitergegeben würden, fügt Bottino hinzu.
Alternative Routen gesucht
Die Unternehmen suchen nach Wegen, um die Störungen zu umgehen. «Kunden im Nahen Osten schätzen Qualität und sind bereit, für einen Mehrwert einen Aufpreis zu zahlen. Daher kann es negative Auswirkungen haben, wenn wir diese Märkte nicht erreichen können», sagt Fabio Franchina, Vorsitzender des Haarpflegeherstellers Framesi. Sein Vertriebspartner für die Region prüfe alternative Routen. «Sie ziehen alternative Transportwege in Betracht, zum Beispiel den Versand nach Dschidda und den Weitertransport der Waren auf der Strasse, anstatt sie über die Häfen am Persischen Golf zu leiten», sagte Franchina. Ein Teil der Waren werde zudem per Luft- statt Seefracht transportiert, was die Kosten weiter erhöhe.
Für Italien, einen der globalen Schwergewichte der Branche, stehen hohe Summen auf dem Spiel. Nach Angaben des Branchenverbands Cosmetica Italia erreichte die Kosmetikproduktion des Landes im Jahr 2025 einen Wert von 18 Milliarden Euro. Davon entfielen 8,4 Milliarden Euro auf Exporte. Damit ist Italien der fünftgrösste Exporteur von Schönheitsprodukten weltweit und einer der führenden Hersteller von Haarfarben, Augen-Make-up und Düften.
(Reuters)

