Pharma - cash-Leser und Novartis-Investorin einig: Bloss keine Übernahmen mit dem Roche-Geld

Was soll Novartis mit dem vielen Geld aus dem Verkauf der Roche-Aktien machen? Diese Frage stellte cash.ch seinen Leserinnen und Lesern in einer Online-Umfrage. Das Verdikt ist klar - nicht bloss beim cash-Publikum.
29.11.2021 11:06
Von Daniel Hügli
Aktionäre und Aktionärinne von Novartis schreiten zu einer Generalversammlung des Pharmakonzerns.
Aktionäre und Aktionärinne von Novartis schreiten zu einer Generalversammlung des Pharmakonzerns.
Bild: Bloomberg

21 Milliarden Dollar löste Novartis mit seinem überraschenden Verkauf der Roche-Aktien. Novartis schwimmt also im Geld. Und es kann noch viel mehr werden: Der Verkauf der Generika-Sparte Sandoz hat das Potenzial, dem Basler Pharma-Konzern weitere 50 Milliarden in die Kassen spülen.

Doch was soll Novartis mit dem Roche-Mittelzufluss schwerpunktmässig machen? Das Verdikt einer Online-Umfrage von cash.ch, an der seit letztem Montag rund 6300 Leserinnen und Leser teilnahmen, ist deutlich: Am wenigsten wünschen sich die Umfrage-Teilnehmenden von Novartis Firmenübernahmen. Nur 15 Prozent wählten diese Option von vier Antwortmöglichkeiten.

Am meisten bevorzugt das Publikum die Option "Investitionen in organisches Wachstum/Forschung und Entwicklung" mit 35 Prozent der Angaben. Aktionärsfreundliche Schritte wie "Dividendenerhöhung/Sonderdividende"oder "Aktienrückkaufprogramm" haben zusammen rund 50 Prozent gewünscht.

Was soll Novartis mit den Roche-Milliarden tun?

Mit 21 Milliarden Dollar Erlös aus dem Verkauf der Roche-Anteile fragt sich für Novartis jetzt, wohin mit dem Geld? CEO Vas Narasimhan hat vier Möglichkeiten, das Geld sinnvoll einzusetzen. Auf was sollte sich Novartis hauptsächlich konzentrieren? 

Investitionen in organisches Wachstum/Forschung und Entwicklung
35% (2214 Stimmen)
Firmenübernahmen
15% (981 Stimmen)
Dividendenerhöhung/Sonderdividende
32% (2021 Stimmen)
Aktienrückkauf
18% (1122 Stimmen)
Gesamtstimmen: 6338

Auffallend ist, dass nicht nur bei den cash-Leserinnen und -Lesern grosse Vorbehalte bezüglich Novartis-Übernahmen bestehen. Diese Skepsis, ja sogar Befürchtung wird auf Investorenseite geteilt. "Ich bin nicht darüber begeistert, dass Novartis etwas zukaufen könnte", sagte etwa UBP-Fondsmanagerin Eleanor Taylor Jolidon letzte Woche im cash-Interview. Sehr grosse Transformations-Deals bei Pharmaunternehmen hätten bisher häufig nicht gut dazu beigetragen, dass mehr Wert geschaffen wurde. "Will Novartis eine Biotech-Firma kaufen, muss dafür eine beträchtliche Prämie bezahlt werden. Und ob dies den Wert steigern würde, steht in Frage", so Jolidon zu cash.ch.

Eleanor Taylor Jolidon: «Bei Novartis bin ich wegen des Roche-Deals beunruhigt»

Kommt dazu, dass Novartis und insbesondere seinem CEO eine erfolgreiche M&A-Tätigkeit nicht zugetraut wird. "Vier der letzten fünf Akquisitionen von Vas Narasimhan haben die Erwartungen der Investoren noch nicht erfüllt, und die Preise sind weiterhin hoch", meint etwa Vontobel-Analyst Stefan Schneider bei Bloomberg. Dennoch wollen Investoren laut Schneider langsam wissen, woher das zukünftige Wachstum bei Novartis kommen wird.

Es ist anzunehmen, dass Novartis genau weiss, was mit dem Haufen Geld passieren soll. Plan- und grundlos hat sich der Pharmakonern nicht gelöst von seinem jahrelangen Engagement, das satte Dividenden einbrachte. Wahrscheinlich wird Novartis einen Mix von Massnahmen bekanntgeben, um die unterschiedlichen Interessen zu befriedigen: Kurzfristig wirkende Schritte einerseits wie Aktienrückkauf oder Sonderdividende mit Blick auf den Aktienkurs, der heute über 20 Prozent unterhalb des Rekordhochs vom Februar 2020 vor sich hindämmert. Und Investitionen in das organische Wachstum andererseits, die sich dann eher langfristig auswirken.  Wahrscheinlich wird Novartis trotz grosser Investorenskepsis auch eine Übernahme ankündigen.