Interpharma-Präsident Jörg-Michael Rupp am Donnerstag an der Jahresmedienkonferenz sagte, steht die Schweiz derzeit an einem Scheideweg. Die Ausgangslage für die pharmazeutische Industrie in der Schweiz habe sich grundlegend geändert, der Standortwettbewerb im Rest der Welt werde immer härter. «Wir hinken der Konkurrenz zwar noch nicht hinterher, aber wir verlieren schleichend unsere führende Stellung.»
Die Referenten um Interpharma-CEO René Buholzer stellen allesamt die geopolitische Entwicklungen und neue internationale Spielregeln heraus. Sie stellten neben der Wettbewerbsfähigkeit auch die Innovationskraft und Attraktivität des Landes auf eine harte Probe. Entsprechend sei die Politik gefordert, den Standort nachhaltig zu stärken, und den Patienten in der Schweiz auch künftig den Zugang zu innovativen Medikamenten zu ermöglichen.
Die Pharmabranche befinde sich in einem Spannungsfeld. So müssten die Konzerne in grossen Märkten wie den USA und China zunehmend massiv in die Bereiche Forschung und Produktion investieren, um sich Zutritt zu diesen Schlüsselmärkten zu sichern. Dies wiederum setze den Pharmastandort Schweiz unter Druck.
Herausforderungen für Patientenversorgung
Ein zentrales Thema für die Branche ist auch das Most-Favored-Nation-Regime, das ausländische Handelspartner gleich behandelt und keine Benachteiligung erlaubt. Der Einbezug der Schweiz als Referenzland für die Medikamentenpreisfestsetzung in den USA schafft völlig neue Voraussetzungen für die weltweite Lancierung von innovativen Medikamenten, mahnt der Verband. «Dies stellt die Patientenversorgung insbesondere in kleinen Märkten wie der Schweiz, die kaufkraftbereinigt tiefere Preise als ihre Nachbarländer aufweist, vor grosse Herausforderungen.»
Wie es Anthony Schläpfer vom Beratungsunternehmen Executive Insight während der Konferenz erklärte, ist das Risiko für zukünftige Markteinführungen grösser, je tiefer der Schweizer Preis. Denn die Preise ausserhalb der USA beeinflussen direkt auch die US-Umsätze - den profitabelsten Markt. Dort werden 46 Prozent der globalen Pharmaumsätze gemacht, in der Schweiz 0,5 Prozent.
Vor diesem Hintergrund sieht Interpharma die Schweiz an einem Scheideweg. Die Wettbewerbsfähigkeit des Landes hänge nun davon ab, wie rasch und entschlossen Politik und Branche gemeinsam auf diese Herausforderungen reagierten. «Es braucht moderne, kaufkraftbereinigte Preisbildungsmodelle, einen attraktiven Rahmen für die schnelle Lancierung neuer Produkte und eine konstruktive Zusammenarbeit aller relevanten Akteure, um den Forschungs- und Produktionsstandort zu sichern und weiterzuentwickeln.»
(AWP)

