Über Jahrzehnte war das tiefe Bollern eines Porsche-Sportwagens ein begehrtes Statussymbol für Chinas neu entstandenen Reichtum. Inzwischen hat es an Glanz verloren, denn an seine Stelle ist eine neue Generation nahezu lautloser, heimischer Elektroautos getreten.
China, einst das Kronjuwel des Autobauers, hat sich für Porsche zum Sorgenkind entwickelt: Der Absatz im Land ist 2025 um 26 Prozent eingebrochen – mehr als doppelt so gravierend wie der weltweite Rückgang.
Die Porsche AG hat weltweit mit Herausforderungen zu kämpfen, darunter die Rücknahme eines überambitionierten Elektroauto-Rollouts und die Aufgabe eines Plans zum Bau eigener Batterien, was Modellplanungen durcheinandergebracht und die Margen belastet hat. Zudem wird eine neue SUV-Reihe, die oberhalb des Cayenne positioniert und ursprünglich ausschliesslich elektrisch geplant war, nun nur noch mit Verbrennungs- und Hybridantrieben angeboten.
Der Einbruch in China fällt besonders drastisch aus: Seit dem Höchststand 2021 hat sich der Absatz mehr als halbiert. Im vergangenen Jahr lag er bei knapp unter 42'000 Fahrzeugen. Damit ist China hinter die USA und Deutschland zurückgefallen und nur noch der drittgrösste Markt. Der Abwärtstrend hat sich in diesem Jahr fortgesetzt, mit einem Rückgang der Auslieferungen im Januar um rund 33 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, wie aus Daten hervorgeht, die von Bloomberg Intelligence und dem China Automotive Technology and Research Center zusammengestellt wurden.
«Der Rückgang in China vollzieht sich so schnell, dass er für Porsche eine strategische Identitätskrise auslösen könnte», sagt Zhu Yulong, Gründer der in Shanghai ansässigen Beratung Zhineng Auto. Diese Krise trifft Porsche wie die meisten etablierten ausländischen Hersteller, die sich einer neuen Welle heimischer Wettbewerber gegenübersehen, die technologisch vollgepackte Elektroautos zu einem Bruchteil des Preises anbieten.
Wie stark dieser Wettbewerb ist, zeigt das Beispiel des Maextro S800, der in Zusammenarbeit zwischen dem Technologiekonzern Huawei Technologies und dem staatlichen Fahrzeughersteller JAC Group entwickelt wurde. Von diesem Modell wurden in den vergangenen Monaten mehr Fahrzeuge verkauft als von Porsche Panamera, BMW 7er und Mercedes-Maybach S-Klasse zusammen.
Der Maextro S800 beginnt bei rund 708'000 Yuan, was etwa 89'000 Euro entspricht, und ist damit fast 40 Prozent günstiger als der Panamera. Die coupéhafte Limousine ist als vollelektrische Version oder als Plug-in-Hybrid erhältlich und bietet ein Armaturenbrett mit drei Bildschirmen, einen 40-Zoll-Filmprojektor, Ledersitze sowie automatisch öffnende Türen. Hinzu kommen integrierte intelligente Infotainmentsysteme und fortschrittliche Fahrerassistenztechnologien.
Ein weiterer Rivale ist mit dem Hochleistungs-Sedan SU7 von Xiaomi, der wegen seiner verblüffenden Ähnlichkeit mit Porsches Elektro-Sportwagen sofort als «chinesischer Taycan» bezeichnet wurde.
«Die Bedürfnisse der chinesischen Kunden haben sich grundlegend verändert», sagt Porsche-China-Präsident Alexander Pollich bei einer Medienrunde im vergangenen Monat. «Sie erwarten ein perfektes technologisches Erlebnis im Auto.»
Auf diese Entwicklung reagiert Porsche mit einem Sparkurs: Der Hersteller reduziert die Zahl seiner Händlerbetriebe und stellt sein eigenes Ladenetzwerk für Elektroautos in China ein.
(Bloomberg)

