Egal, welcher Finanzinvestor den Zuschlag für die Volkswagen-Dieselmotoren-Tochter Everllence bekommt, die Familienholding Porsche SE gehört laut Insidern auf jeden Fall zu den Gewinnern. Sie solle nach den Vorstellungen von Volkswagen als Co-Investor bei Everllence einsteigen, sagten drei mit den Plänen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Gedacht sei an eine Beteiligung von etwa zehn Prozent, sagten zwei von ihnen. Sechs Beteiligungsgesellschaften seien in die zweite Runde gekommen, weil sie den Hersteller von Schiffsmotoren und industriellen Wärmepumpen in ihren Geboten jeweils mit rund acht Milliarden Euro bewerteten. Zwei weitere Insider bestätigten, dass alle Bieter aus der Motorenbranche aus dem Rennen seien, darunter auch die japanische Yanmar.
Dass der bisherige Eigentümer einen Co-Investor durchsetzt, ist ungewöhnlich. Mit einem Finanzinvestor sei eine solche Konstruktion aber leichter zu bewerkstelligen, erläuterten zwei Personen. Normalerweise suchen sich die Finanzinvestoren aber im Bedarfsfall selbst Kapitalgeber, die eine Übernahme gemeinsam mit ihnen finanzieren. Bisher war spekuliert worden, dass sich die Porsche SE bei Everllence mit dem schwedischen Finanzinvestor EQT verbünden könnte. Die börsennotierte Holding der Volkswagen-Grossaktionäre Porsche und Piech will abseits ihrer Kernbeteiligungen an VW und dem Sportwagenbauer Porsche AG in neue Geschäftsfelder investieren, kommt dabei aber nicht recht voran.
Entscheidung vor der Sommerpause erwartet
Zu den sechs vorerst erfolgreichen Bietern zählten die Investoren Advent, Blackstone, Brookfield, CVC und EQT, sagten mehrere Insider. Reuters hatte bereits Ende Februar erfahren, dass die höchsten Gebote für Everllence mit rund acht Milliarden Euro deutlich über den Erwartungen lagen. Volkswagen will zunächst nur 51 Prozent an Everllence verkaufen, auch um von einem erhofften späteren Wertzuwachs zu profitieren. Ohne die Anteile, die an die Porsche SE gehen sollen, käme der Wolfsburger Autobauer dann auf weniger als 40 Prozent. Der Zuschlag für einen Bieter wird noch vor der Sommerpause erwartet. Nun werfen die sechs Kandidaten zunächst einen tiefen Blick in die Bücher des Unternehmens.
Volkswagen hatte den Dieselmotoren- und Turbomaschinenhersteller MAN Energy Solutions im Juni 2025 in Everllence umbenannt. Das Unternehmen stellt unter anderem Dieselmotoren für Schiffe und Generatoren für Kraftwerke her. Volkswagen hatte die ehemalige MAN-Tochter vor dem Börsengang des aus MAN und Scania bestehenden Lkw-Konzerns Traton ins eigene Portfolio übernommen. 2024 kam Everllence mit 15'000 Beschäftigten auf einen Umsatz von 4,3 Milliarden Euro.
Volkswagen und Porsche SE wollten sich zu den Informationen nicht äussern. VW-Finanzvorstand Arno Antlitz hatte am Mittwoch auf der Bilanzpressekonferenz nur erklärt, der Konzern sei beim Verkauf an einen Investor «sehr, sehr gut unterwegs». VW wolle das Unternehmen mit dem neuen Miteigentümer weiterentwickeln. Dazu seien hohe Investitionen nötig. Advent, EQT, Blackstone, CVC und Brookfield gaben ebenfalls keine Stellungnahme ab.
(Reuters)

