Waren und Dienstleistungen verteuerten sich im Februar um durchschnittlich 1,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, wie das EU-Statistikamt Eurostat am Dienstag mitteilte. Experten hatten mit einer Stabilisierung auf dem Vormonatsniveau von 1,7 Prozent gerechnet. Ein längerer Krieg im Nahen Osten droht laut EZB-Chefvolkswirt Philip Lane die Inflation weiter anzuheizen - über höhere Energiepreise. Die EZB dürfte laut Experten zwar weiter stillhalten. Doch wird an den Geldmärkten die Chance auf eine Zinserhöhung bis Jahresende mittlerweile auf 40 Prozent taxiert.
«Ob Zinserhöhungen notwendig werden, hängt stark von der noch nicht absehbaren Dauer des Kriegs ab», sagt KfW-Expertin Stephanie Schoenwald. Der Iran hat die Strasse von Hormus für geschlossen erklärt - eine Meerenge, die als Nadelöhr des internationalen Ölhandels gilt. Die Furcht vor Lieferausfällen aus den Förderländern im Nahen Osten trieb Rohöl der Sorte Brent in der Spitze um 9,5 Prozent auf bis zu 85,12 Dollar je Barrel. Die Termingeschäfte für Rohöl zeigten, dass Marktteilnehmer von einer Beruhigung des Preises bis zum Ende des Jahres ausgingen, erläutert Commerzbank-Experte Vincent Stamer: «Auch unser Basisszenario besteht darin, dass der Konflikt sich nicht über viele Monate erstreckt. Unter dieser Annahme dürfte daher die Inflation im Euroraum auf etwa 2,4 Prozent im zweiten Quartal steigen.» Falls jedoch der Konflikt weiter eskaliere und sich der Preis dauerhaft bei 100 Dollar festsetze, könne die Inflation für den Rest dieses Jahres bei drei Prozent liegen.
Plädoyer für Flexibilität
Die EZB entscheidet am 19. März wieder über den Leitzins. Sie strebt eine Teuerungsrate von 2,0 Prozent an, die als optimal für die Wirtschaft im Währungsraum gilt. Trotz der jüngst gestiegenen Energiepreise sieht der französische Notenbankchef Francois Villeroy de Galhau die Währungshüter nicht unter Zugzwang. «Es wäre ein Fehler, heute voreilig eine mögliche Zinsentwicklung vorherzusagen, und ich erinnere Sie daran, dass wir unsere Entscheidungen nicht allein auf Grundlage momentaner Energiepreise treffen», sagte er vor Reportern. Der griechische Notenbankchef Yannis Stournaras plädierte angesichts der Unsicherheit mit Blick auf die Lage in Nahost für geldpolitische Flexibilität: «Wenn die Verhandlungen morgen beginnen, wird es zu einer Deeskalation kommen», sagte er in einem Telefoninterview: «Wenn sie andauern, wird der Inflationsdruck steigen. Ich schliesse beides nicht aus.»
Daniel Hartmann, der Chefvolkswirt der Bantleon AG, rechnet jedoch nicht mit einer Zinserhöhung: «Für eine Notenbank macht es keinen Sinn, auf einen Angebotsschock, der in der Folge auch die Konjunktur belastet, die Geldpolitik zu straffen.» Die Währungshüter hatten im Kampf gegen die hohe Inflation eine Serie von Zinserhöhungen beschlossen, die im September 2023 in einem Rekordniveau von 4,00 Prozent beim Einlagensatz gipfelten. Die EZB vollzog dann im Zuge des nachlassenden Preisauftriebs eine Wende und senkte 2024 vier Mal die Zinsen, 2025 folgten weitere vier Schritte nach unten - zuletzt im Juni. Seither steht der Leitzins unverändert bei 2,00 Prozent.
(Reuters)

