Für Joseph Bermah Dautey ist die globale Kakaokrise ‌keine abstrakte ⁠Zahl, sondern ein täglicher Kampf ums Überleben. Der 65-jährige Bauer aus Ghana hat seine Ernte bereits vor Monaten ⁠abgeliefert, wartet aber noch immer auf sein Geld. Um über die Runden zu kommen, hat er seine Mahlzeiten auf eine pro Tag ‌reduziert. «Seit etwa drei Wochen esse ich nur noch einmal am Tag, die Dinge ‌sind sehr schwierig für mich», sagt Dautey der Nachrichtenagentur ​Reuters. Er könne weder das Schulgeld für seine Töchter bezahlen, noch notwendige Investitionen für seine Farm im Bezirk Assin Fosu tätigen. Dautey ist einer von Tausenden Bauern im zweitgrössten Kakaoproduktionsland der Welt, die unter den Folgen eines dramatischen Preisverfalls leiden.

Auslöser der Krise ist eine massive Diskrepanz zwischen dem Weltmarktpreis und dem staatlich garantierten Abnahmepreis in Ghana. Während ‌die globale Nachfrage eingebrochen ist und sich der Weltmarktpreis binnen eines Jahres auf rund 4000 Dollar pro Tonne halbiert hat, liegt der von der ghanaischen Regulierungsbehörde Cocobod festgelegte Festpreis bei umgerechnet fast 5300 Dollar. Für internationale Händler bedeutet dies, dass ​sie beim Kauf von ghanaischem Kakao Verluste machen würden. In der Folge haben die ​lizenzierten Aufkäufer ihre Aktivitäten weitgehend eingestellt und ihre Lagerhäuser geschlossen.

Unverkaufter Kakao lagert tonnenweise in Häfen

Die Auswirkungen sind verheerend. Nach Angaben der Regulierungsbehörde lagern allein in den Häfen rund 50.000 Tonnen unverkaufter Kakao. Da die ‌Bohnen in dem feuchtheissen Klima nur sechs bis zwölf Monate gelagert werden können, droht ein Qualitätsverlust. Auch in der benachbarten Elfenbeinküste, dem weltweit grössten Kakaoproduzenten, ist die Lage ähnlich angespannt. Den Bauern fehlt unterdessen das Kapital für die Pflege ihrer ​Plantagen. ​Der Bauer Jacob Agbeko Tetteh schildert, er könne alternde Kakaobäume ⁠nicht ersetzen, was zu sinkenden Erträgen führe. Zudem könnten seine Kinder ​nicht an die Universität zurückkehren.

Inzwischen ⁠zeichnet sich ein möglicher Kompromiss ab. Ein Verband ghanaischer Kakaobauern signalisierte Bereitschaft, künftig niedrigere Preise zu akzeptieren, sofern diese ‌an den Weltmarkt gekoppelt werden. Bedingung sei jedoch, dass die Regierung zunächst die ausstehenden Zahlungen für die bereits gelieferte Ware zum alten Preis leiste. «Was sie bereits gekauft und nicht bezahlt haben, müssen sie ‌sofort bezahlen», forderte Theophilus Tamakloe, Vizepräsident der Ghana Cooperative Cocoa Farmers and Marketing Association. ​Erst danach könne man über Preissenkungen verhandeln. Auch Bauer Tetteh zeigte sich pragmatisch: «Es ist ein Geschäft. Wenn die Preise auf dem Weltmarkt steigen, sollten die Erzeugerpreise steigen. Wenn sie fallen, müssen auch die Erzeugerpreise sinken.»

(Reuters)