Das am Mittwoch vorgelegte Quartalsergebnis des Halbleiter-Herstellers Qualcomm fiel dank einer anziehenden Nachfrage nach Chips für die Automobilindustrie und ‌für ⁠vernetzte Geräte (Internet of Things, IoT) jedoch besser aus als erwartet. Darüber hinaus stimmte die anlaufende Massenfertigung von KI-Prozessoren ⁠Konzernchef Cristiano Amon optimistisch. «Die Umsätze ausserhalb des Mobilfunkgeschäfts werden im Geschäftsjahr 2026/2027 voraussichtlich um mehr als 60 Prozent steigen.» Die Einnahmen aus ‌dem Verkauf von Chips für Rechenzentren allein dürften fünf Milliarden Dollar ‌erreichen.

Anleger liessen sich davon jedoch nicht überzeugen. Sie reagierten ​enttäuscht auf den Umsatz- und Gewinnrückgang im abgelaufenen Quartal. Dies drückte die Qualcomm-Aktien im nachbörslichen Handel an der Wall Street 6,5 Prozent in Minus.

Die Konzernerlöse schrumpften im Berichtszeitraum um sieben Prozent auf 10,44 Milliarden Dollar, und der Gewinn brach um 28 Prozent auf 2,17 Dollar je Aktie ein. Der Grund hierfür ‌war der Absatzeinbruch bei Smartphones. Durch den Bauboom bei KI-Rechenzentren und die daraus resultierenden Angebotsengpässe bei Speicherchips haben sich die Preise für diese Komponenten in den vergangenen Monaten vervielfacht. Dies drückte den Handy-Absatz nach Angaben des Analysehauses Counterpoint ​im September um 20 Prozent auf ein 14-Jahres-Tief. «Anders als viele andere Unternehmen ​haben wir dies vorhergesehen und waren darauf vorbereitet», erläuterte Amon ​in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters. Inzwischen gebe es erste Anzeichen für eine Erholung der Nachfrage nach Smartphones mit dem Betriebssystem ‌Android.

Für das laufende Quartal stellte Amon Erlöse zwischen 10,4 und 11,2 Milliarden Dollar in Aussicht. Der Gewinn je Aktie dürfte 2,15 bis 2,35 Dollar erreichen. Diese Prognose enthalte keinerlei weitere Lieferungen an Apple. Der iPhone-Anbieter setzt ​für seine ​Smartphones verstärkt auf selbst entwickelte Halbleiter. Andere Kunden glichen ⁠diese Ausfälle jedoch mehr als aus, betonte der Qualcomm-Chef. Der Auftragseingang ​sei um 70 Prozent ⁠gestiegen.

Qualcomm setzt grosse Hoffnungen auf die Produktion von Spezialchips für Rechenzentren. Das Unternehmen entwickelt unter anderem gemeinsam mit ‌Amazon KI-Prozessoren. Im Rahmen dieser 60 Milliarden Dollar schweren Kooperation erhält der Onlinehändler zudem die Möglichkeit, Qualcomm-Anteile im Wert von vier Milliarden Dollar zu erwerben. Damit liegt das Unternehmen im ‌Trend: Der Wettbewerber AMD hat der Facebook-Mutter Meta und dem ChatGPT-Entwickler OpenAI im Rahmen ​milliardenschwerer Lieferverträge ebenfalls Beteiligungsoptionen eingeräumt.

Qualcomm drängt darüber hinaus auf den Markt mit PC-Prozessoren, der bislang von AMD und Intel beherrscht wird. Die Chips der «Snapdragon Elite»-Reihe gelten als besonders energieeffizient und sind für die Nutzung Künstlicher Intelligenz (KI) optimiert.

(Reuters)