Seit letztem Donnerstag haben alle 20 Unternehmen im Swiss Market Index die Zahlen für die ersten Monate des Jahres geliefert. Die meisten Firmen haben die Erwartungen des Marktes erfüllt oder übertroffen. Die Geschäfte waren von den kriegerischen Handlungen in Nahost weitgehend nicht betroffen – oder noch nicht.
Aus Anlegersicht stechen einige Unternehmen heraus. Das Highlight ist ABB: Auftragsbestand auf Rekordniveau, Auftragseingang auf Rekordhöhe, Gewinnerwartungen bei weitem übertroffen. CEO Morten Wierod scheint derzeit fast alles in die Karten zu spielen. Vor allem die Sparte Elektrifizierung läuft heiss und besser als je zuvor.
Mit einer Performance von über 40 Prozent steht die ABB-Aktie in diesem Jahr unangefochten an der SMI-Spitze. Allein in den letzten acht Wochen hat der Titel 36 Prozent zugelegt. Klar: ABB profitiert vom massiven Boom bei Rechenzentren. Das Unternehmen ist somit auch Teil der AI-Bubble. Bei Rückschlägen in der Branche oder Überraschungen an der Zinsfront wäre ABB betroffen. Das sollten Anleger wissen, welche nun noch aufspringen wollen.
Nestlé macht keine leeren Versprechungen mehr, «liefert» neuerdings bei Quartalszahlen, die Aktie schiesst dann aber nur kurz in die Höhe. Dieses Muster wiederholte sich bei den jüngsten Quartalszahlen. Was zeigt: Schrittweise Verbesserungen im operativen Geschäft reichen den Investoren nicht.
Dem nicht mehr so neuen Führungsduo CEO Philipp Navratil und VR-Präsident Pablo Isla ist der grosse Wurf bei der Portfoliostraffung noch nicht gelungen. Der Verkauf des Glacégeschäftes im Februar war ein (kleiner) Anfang. Anleger warten auf grössere Schritte bei der Straffung des Portfolios. Fehltritte darf sich die Führungsriege dabei keine erlauben.
Eine ähnliche Gefangene der Umstände ist die UBS, deren Aktie seit Jahresbeginn wie Nestlé nicht zufällig eine Nullperformance aufweist: Gute Quartalszahlen, Anstieg der Aktie - aber abhängig von Gegebenheiten, die ausserhalb des operativen Geschäfts liegen. Im Fall der UBS ist es die Politik, in deren Korsett Bank und Aktie gefangen sind.
Die Revision des Bankengesetzes lastet seit Längerem auf dem Kurs. Das Entgegenkommen des Bundesrats nach der Vernehmlassung bei der Eigenmittelverordnung hat dem Titel zwar geholfen.
Die anstehende Debatte im Parlament wird erneut auf den USB-Kurs abfärben. Im April warnte der Bundesrat etwa unverhohlen, dass er noch einmal auf die Eigenmittelverordnung zurückkommen werde, sollte die Vorlage vom Parlament nicht genügend umgesetzt werden. Die Sache kann sich hinziehen: Gegen die Parlamentsbeschlüsse beim Bankengesetz kann das Referendum ergriffen werden. Eine Volksabstimmung würde frühestens 2028 oder 2029 über die Bühne gehen.
Dann Alcon, mittlerweile ein veritables Ärgernis. Zum wiederholten Mal haben Quartalszahlen des Augenheilmittelherstellers - in der Schweiz kotiert, aber in der Wahrnehmung eine Mondreise weit entfernt - die Anleger auf dem falschen Fuss erwischt. Die Aktien sanken am 6. Mai im zweistelligen Prozentbereich auf den tiefsten Stand seit sechs Jahren ab. Per saldo haben Anleger mit der Alcon-Aktie seit der Abspaltung von Novartis im Jahr 2019 Geld verloren.
Zwar waren die Quartalszahlen einmal mehr das, was als «solide» bezeichnet wird - trotzdem der massive Absacker bloss an einem Handelstag. Ist es möglich, dass die Firma mangelhaft mit dem Markt kommuniziert? Stellen die Grossinvestoren der Alcon-Geschäftsleitung und dem Verwaltungsrat genügend kritische Fragen?
Enttäuschend ist auch die Entwicklung bei Swiss Re. Die Aktie befindet sich auf dem tiefsten Stand seit Ende 2024. Und seit Juli 2024, als Andreas Berger als CEO übernahm, konnte die Aktie unter dem Strich nur wenig zulegen.
Schwere Kost für Anleger war der Investorentag von Anfang Dezember. Die dort bekannt gegebenen Gewinnziele wurden als zu wenig ambitioniert kritisiert, Analysten sprachen von Vertrauensverlust.
Allerdings könnte man argumentieren, dass das Unternehmen damals die Entwicklung für das Jahr 2026 schon erahnt hat. Denn Preisrückgänge in der Schadenversicherung drücken auf die Margen und schmälern künftige Gewinne. Einige Analysten sehen bei Swiss Re nun sogar für die nächsten drei Jahre keine Steigerung beim Gewinn pro Aktie. Kaum ein Trost: Beim Hauptkonkurrenten Munich Re sieht die Börsenperformance fast identisch aus.
So bleibt Swiss Re für Anleger vorerst, was sie schon lange ist: Ein solider Dividendenzahler. Aber ein Kauf ist die Aktie selbst beim gesunkenen Kurs nicht.

