Die Raiffeisen erwartet 2026 ein sporteventbereinigtes BIP‑Wachstum von 1,7 Prozent, wie die Bank in ihrem «Konjunkturcheck Oktober» schreibt. Dies ist eine deutliche Erhöhung im Vergleich zu den zuvor prognostizierten 0,8 Prozent Wachstum für das Bruttoinlandsprodukt (BIP). Für die Schweiz liege der Wert nun im Bereich des Potenzialwachstums. Für das kommende Jahr erwarten die Ökonomen laut Schätzung ein Wachstum von 1,3 Prozent.
Aufgrund der Erfahrung durch die Ukraine-Energiekrise seien die Befürchtungen gross gewesen, dass der Iran-Konflikt die Konjunktur erneut abwürgt. Unmittelbar nach Kriegsbeginn sei die Stimmung auch eingeknickt. «Die harten Konjunkturdaten zeigten sich im zweiten Quartal jedoch unbeeindruckt. Die Industrieproduktion und die Exporte konnten sogar an Fahrt aufnehmen», schreiben die Ökonomen. Der Pharma-Sektor trug rund die Hälfte zum Quartalswachstum von 1,5 Prozent bei.
Im September trotzte die Unternehmensstimmung der erneuten Intensivierung des Iran-Konflikts sowie auch der Trockenheit. Diese Ereignisse führten zur Aufwärtsrevision der Prognose.
Die prognostizierte Inflation in der Schweiz für 2026 hebt die Raiffeisen um 0,1 Prozentpunkte an auf 0,7 Prozent. Für das Jahr 2027 rechnet die Bank mit einer Inflation von 1,1 Prozent - die Prognose liegt somit 0,3 Prozentpunkte höher als noch vor einem Monat.
Zinsschritt schon im Dezember möglich
Laut dem Bericht könnte es bald auch zu einer Leitzinserhöhung der SNB kommen. SNB-Präsident Martin Schlegel zweifle nicht daran, dass die Inflation im SNB-Zielband zwischen null und zwei Prozent bleibe. Zudem präsentiere sich die Schweizer Wirtschaft widerstandsfähig. «Damit erscheint die unterstützende Nullzinspolitik zunehmend unangemessener. Bislang bleibt die SNB wegen der grossen Unsicherheit und der vorangegangenen langen Unterauslastung der Industriekapazitäten noch vorsichtig», heisst es im Konjunkturcheck.
Setze sich die Konjunkturerholung fort und komme es zu keiner Korrektur der Energiepreise, sei eine Zinserhöhung bereits bei der nächsten Lagebeurteilung im Dezember möglich.
Im Automarkt hat sich der Wandel nochmals beschleunigt. Weil die Benzinpreise infolge des Iran-Krieges gestiegen sind, werden Elektroautos immer attraktiver. Die Auswahl an Elektroautos werde immer grösser und reiche zunehmend auch in günstigere Preissegmente. «Der Sommer 2026 markiert eine wichtige Wegmarke,
denn erstmals wurden über mehrere Monate deutlich mehr E‑Autos als reine Verbrenner neu zugelassen», so die Ökonomen. Beim Bestand liege der Anteil an Elektroautos erst bei rund fünf Prozent.

