Anders als während der Ölkrise von 1973 droht der Schweiz trotz steigender Energiepreise und der angespannten Lage im Nahen Osten keine Rezession. Selbst bei anhaltend hohen Ölpreisen dürfte die Wirtschaft 2026 weiter wachsen.

Die Ökonomen von Raiffeisen Economic Research rechnen für 2026 je nach Szenario mit einem realen Wachstum des Bruttoinlandprodukts (BIP) von 0,5 bis 1,0 Prozent. «Trotz der aktuellen Ölkrise bleibt die Schweizer Wirtschaft auf Wachstumskurs», wird Chefökonom Fredy Hasenmaile in einer am Dienstag veröffentlichten Studie zitiert.

Die aktuelle Energiekrise erinnert laut der Untersuchung in vielerlei Hinsicht an die Ölkrisen der 1970er-Jahre. Damals traf der Ölpreisschock eine stark von Erdöl abhängige und energieintensive Schweizer Wirtschaft. 1975 brach das reale BIP um rund sieben Prozent ein, während die Inflation auf knapp zehn Prozent anstieg.

Hohe Energieeffizienz

Heute sei die Ausgangslage jedoch deutlich robuster. Der Anteil von Erdöl am Energieverbrauch liegt inzwischen noch bei rund 46 Prozent, nachdem er Anfang der 1970er-Jahre bei etwa 80 Prozent gelegen hatte. Gleichzeitig hat sich die Energieintensität der Schweizer Wirtschaft seit damals mehr als halbiert.

Dadurch reagiere die Schweiz heute wesentlich weniger empfindlich auf steigende Ölpreise. Ein Ölpreisanstieg um zehn Prozent dämpft das Wirtschaftswachstum laut der Analyse inzwischen nur noch um etwa 0,05 Prozent.

Das entspreche lediglich rund einem Zehntel der Wirkung während der Ölkrise von 1973. Auch die Auswirkungen auf die Inflation seien deutlich geringer geworden.

Abhängigkeit hat weiter Bestand

Ganz verschwunden seien die Risiken allerdings nicht. Nach wie vor importiert die Schweiz rund 68 Prozent ihrer Energie. Vor allem der Verkehr bleibt stark von fossilen Energieträgern abhängig. Zudem ist die exportorientierte Schweizer Wirtschaft heute wesentlich enger mit der globalen Konjunktur verflochten als noch vor fünfzig Jahren.

Die Raiffeisen-Ökonomen sehen dennoch strukturelle Fortschritte. Die Schweiz sei heute energieeffizienter, diversifizierter und institutionell stabiler als während der Ölkrisen der 1970er-Jahre. Die aktuelle Krise könne deshalb zwar das Wachstum bremsen, dürfte die Wirtschaft aber nicht in eine Rezession stürzen.

(AWP)