Der Grossteil der einen Milliarde Euro, die das Unternehmen für industrielle KI bereitstellt, werde aufgrund der regulatorischen Hürden in Europa in die USA fliessen, erklärte Siemens-CEO Roland Busch. Der AI Act und der Data Act der EU gingen am Ziel vorbei, indem sie industrielle KI wie Verbraucheranwendungen behandelten und bereits sektor-spezifisch regulierte Bereiche mit neuen Aufsichtsebenen überzögen, so Busch.

Es sei «Unsinn», Maschinendaten wie Personendaten zu behandeln, sagte Busch in einem Bloomberg-Interview. Den Aktionären sei nicht vermittelbar, warum Siemens in einem restriktiven Umfeld Geld investieren sollte.

Kritiker bemängeln, die KI-Regeln der EU seien zu komplex und widersprüchlich, und warnen, Europa könnte bei dieser neuen Technologie hinter globale Konkurrenten zurückfallen. Hersteller von Maschinenbauausrüstungen beispielsweise müssen bereits die EU-Maschinenverordnung einhalten, die sie dazu verpflichtet, Risiken autonomer Systeme zu bewerten und zu adressieren.

Bundeskanzler Friedrich Merz bekräftigte am Sonntag in Hannover seine Unterstützung für eine Straffung der europäischen KI-Regeln. Seine Regierung werde darauf drängen, «industrielle KI aus dem gegenwärtig zu engen Korsett der KI-Regulierung der Europäischen Union herauszulösen».

Am Montag stellte Siemens den «Eigen Engineering Agent» vor, eines der ersten kommerziell verfügbaren KI-Systeme, das Aufgaben in der industriellen Automatisierung eigenständig ausführen kann. Anstatt Ingenieure nur durch Vorschläge zu unterstützen, kann das System innerhalb von Entwicklungsumgebungen agieren, Code generieren, Konfigurationen vornehmen und seine eigenen Ergebnisse überprüfen.

Laut Siemens kann die Technologie die Produktivität um bis zu 50% steigern. Die Anwendung von KI in industriellen Kontexten ist in der Regel anspruchsvoller als bei Verbraucheranwendungen wie Chatbots, da die Systeme wesentlich höhere Standards hinsichtlich Präzision und Zuverlässigkeit erfüllen müssen.

Unter Busch hat Siemens den Vorstoss in den Softwarebereich beschleunigt und in den vergangenen Jahren Unternehmen wie Altair und Dotmatics für insgesamt rund 15 Milliarden Dollar (12,8 Milliarden Euro) übernommen. Das Unternehmen werde weiterhin Akquisitionen sowohl im Hardware- als auch im Softwarebereich anstreben, sagte Busch.

(Bloomberg/cash)

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