Die Titel der zwei hiesigen Halbleiter-Zulieferer Inficon und VAT Group eilen von einem Rekordhoch zum nächsten. Sie profitieren von den überdurchschnittlich stark steigenden Margen und Gewinnaussichten bei den US‑Chipherstellern wie AMD oder Intel sowie bei den Speicherchipherstellern Micron Technologies, Samsung, Sandisk, SK Hynix oder Western Digital

Inficon hatte nach der Präsentation der Jahreszahlen am 24. April die Guidance für das laufende Jahr erhöht, worauf gleich drei Analystenhäuser die Kursziele nach oben schraubten. JPMorgan erhöhte das Ziel von 130 auf 155 Franken und bestätigte das «Overweight»-Rating, während Berenberg dieses von 130 auf 160 Franken nach oben hievte. Die Deutsche Bank zog ebenfalls nach und erhöhte ihr Ziel von 140 auf 160 Franken.

Derweil stufte die US-Investmentbank Goldman Sachs das Rating für VAT Ende April aufgrund des anziehenden Investitionstrends auf «Buy» von «Hold» hoch. Das Kursziel wird dabei auf 703 von 551 Franken angehoben. Der Halbleiter-Zulieferer sollte mit seiner starken Marktstellung bei Vakuumventilen überdurchschnittlich profitieren, so die Begründung des Analysten von Goldman Sachs. 

Neben Goldman Sachs hat zum gleichen Zeitpunkt auch die UBS das Kursziel auf 650 von 550 Franken nach oben angepasst. Joern Iffert, der zuständige Analyst, begründet den Entscheid mit der starken Nachfragedynamik und dem robusten Auftragswachstum bei VAT. Der Auftragsbestand stieg im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 42 Prozent auf 431 Millionen Franken, wie das Unternehmen am 16. April mitteilte. 

Comet mit Nachholbedarf

Von den hierzulande drei Zulieferern kann einzig Comet nicht auf ein neues Allzeithoch, aber zumindest auf ein 52‑Wochen-Hoch blicken. Bis zum Allzeithoch von 378 Franken fehlen weitere 14 Prozent. Das hängt damit zusammen, dass der Halbleiter-Zulieferer aus Flamatt in den vergangenen zwölf Monaten mit dem Zahlenkranz meistens nicht zu überzeugen vermochte. 

Zwar konnte das Unternehmen im abgelaufenen Geschäftsjahr den Umsatz auf 457,0 nach 445,4 Millionen Franken im Vorjahr steigern. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) ging 2025 hingegen im Vergleich zum Vorjahr um 20,1 Prozent auf 46,3 Millionen Franken zurück, wie Comet Anfang März mitteilte. Die entsprechende Marge sank um 2,9 Prozentpunkte auf 10,1 Prozent. Damit erreicht Comet die eigene Zielsetzung von 10,0 bis 14,0 Prozent für 2025 nur knapp.

Der Reingewinn betrug 12,2 Millionen und lag damit knapp zwei Drittel tiefer als 2024. Die Aktionäre wurden obendrauf kalt geduscht, weil die Dividende auf 0,50 Franken von 1,50 Franken im Vorjahr zusammengestrichen wurde. 

Gegenwind durch neue Disruption?

Ein Gegenwind könnte der boomenden KI-Industrie durch neue Modelle entgegenkommen. So trat das in Miami ansässige Startup Subquadratic am Dienstag an die Öffentlichkeit und erklärte, es habe das erste grosse Sprachmodell entwickelt, das die mathematische Beschränkung vollständig überwindet, welche seit 2017 alle wichtigen KI-Systeme definiert und eingeschränkt habe.

Das Unternehmen erklärte, sein Modell sei das erste LLM, das auf einer vollständig subquadratischen Architektur basiert – einer Architektur, bei der der Rechenaufwand linear mit der Kontextlänge wächst. Sollte sich diese Behauptung bewahrheiten, wäre dies ein echter Wendepunkt bei der Skalierung von KI‑Systemen. Bei 12 Millionen Tokens reduziere die neue Architektur den Aufmerksamkeitsaufwand im Vergleich zu anderen Spitzenmodellen um fast das 1000-fache – ein Wert, der, unabhängig bestätigt, die Effizienzgewinne aller bestehenden Ansätze in den Schatten stellen würde, wie Venturebeat berichtete.

Die von Subquadratic veröffentlichten Zahlen sind aussergewöhnlich und müssen unabhängig geprüft werden. Die Reaktionen der KI-Forschungsgemeinschaft sind entsprechend gemischt – von echter Neugier bis hin zu offenen Vorwürfen, es handle sich um Luftschlösser.

Ein Luftschloss scheint es aber nicht zu sein, da sich jüngst bekannte Venture-Capital-Investoren engagiert haben. Das Unternehmen hat 29 Millionen US-Dollar an Startkapital von Investoren wie Tinder-Mitgründer Justin Mateen, dem ehemaligen SoftBank-Vision-Fund-Partner Javier Villamizar sowie frühen Investoren von Anthropic, OpenAI, Stripe und Brex erhalten, so Venturebeat. Das Unternehmen dürfte mit 500 Millionen US-Dollar bewertet worden sein.

Selbst eine mögliche Disruption dieser Art spricht nicht grundsätzlich gegen weitere Kursgewinne bei den drei hiesigen Halbleiter-Zulieferern. Dafür ist der KI‑Investmentzyklus zu stark. Anlegerinnen und Anleger sollten mögliche neue Marktentwicklungen aber genau im Auge behalten. Für den Moment spricht auch der Trend weiter für höhere Kurse, obwohl die Rallye wohl etwas an Fahrt verlieren dürfte oder eine zwischenzeitliche Verschnaufpause einlegen könnte. 

Thomas Daniel Marti
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