Paukenschlag bei Amrize: Nach nur fünf Monaten tritt der Finanzchef Baris Oran per sofort ab. Sein Nachfolger ist Sam Poletti, bisher Strategie- und Übernahmechef des Baustoffkonzerns. Oran hatte damals die Stelle von Ian Johnston übernommen, der nach nur neun Monaten als CFO von Amrize in eine beratende Tätigkeit gewechselt hatte.
Der Nachfolger Poletti ist Holcim/Amrize-Insider und kennt das Geschäft genau: Mehr als 20 Jahre war er für Holcim in den Bereichen Übernahmen, Finanzen und Strategie tätig. Anschliessend begleitete er die Abspaltung des Nordamerika-Geschäfts von Holcim und verantwortete die finanziellen sowie nichtfinanziellen Aspekte beim Aufbau des nun eigenständigen Unternehmens.
Ganz zufällig kommt der Abgang zu dem derzeitigen Zeitpunkt nicht. Die Amrize-Aktien notieren auf einem Allzeittief. Zwar fielen die Titel Intraday nach dem US-Zollhammer gegen die Schweiz am 7. August 2025 kurzzeitig auf 35,20 Franken, allerdings schloss die Aktie nie unter der wichtigen Unterstützung von 36 Franken. Am heutigen Dienstag durchbrachen die Titel diese Marke und sind zeitweise auf 35,28 Franken gesunken.
Dem CEO und Verwaltungsratspräsidenten Jan Jenisch dürfte dies nicht entgangen sein. Der Abgang von Oran dürfte also nicht ganz freiwillig gewesen sein.
Auf Nummer sicher - Insider soll es richten
Jenisch setzt mit dem Holcim-Amrize-Insider auf eine sichere Karte. In einer Ersteinschätzung attestiert auch die Zürcher Kantonalbank (ZKB) Poletti «umfangreiche Erfahrungen bei Amrize/Holcim und im Finanzsektor».
Trotz der Vorschusslorbeeren hat Poletti wenig Spielraum für Fehler: Einer dynamischen Umsatzentwicklung stehen gestiegene Kosten und Margendruck gegenüber. Das beunruhigt die Investorinnen und Investoren, scheinen diese beiden Herausforderungen bei einer hohen US-Inflation doch sehr anspruchsvoll.
Wie Poletti diese Bremsklötze zu lösen versucht, darf also mit Spannung verfolgt werden. Ein logischer nächster Schritt wäre die noch schnellere und konsequentere Umsetzung des bereits laufenden Effizienzprogramms «Aspire». Dabei will Amrize das Preis-Kosten-Verhältnis weiter verbessern. Von einem Branchen-Urgestein dürfte aber auch durchaus mehr erwartet werden.
Was den Kurssturz auslöste - ein erneuter CFO-Wechsel nach wenigen Monaten oder ein fehlender Detailplan - bleibt allerdings unklar. Jedenfalls fällt Amrize mit einem Verlust von 1,5 Prozent auf den letzten Platz im SMI. Angesichts einer US-Politik, die für eine dauerhaft höhere Inflation spricht, dürfte der Druck auf Poletti, schnelle Lösungen zu liefern, nun rasant steigen.

