Jan Jenisch ist so etwas wie der «Mr. Amrize». In seiner Doppelfunktion als CEO und Verwaltungsratspräsident verkörpert er das Aussenbild des auf den nordamerikanischen Markt fokussierten Baustoffkonzerns.
Doch an der Börse durchlebt die Firma, die vor rund einem Jahr von Holcim abgespalten wurde, eine Durststrecke. Nach der Bekanntgabe der Halbjahreszahlen letzte Woche verloren die Titel 9 Prozent und notieren seither nahe einem Allzeittief.
Einer dynamischen Umsatzentwicklung stehen gestiegene Kosten und Margendruck gegenüber. Der bereinigte Betriebsgewinn auf Stufe EBITDA lag unter den Erwartungen der Analysten. Die Guidance dazu wurde gesenkt.
Die Analysten halten jedoch an ihrer optimistischen Einschätzung fest. «Wir erachten den Margendruck als temporär und die deutliche Kursreaktion angesichts der intakten Wachstumsperspektiven als übertrieben», schreibt die St. Galler Kantonalbank (SGKB) in einer Kundennotiz am Donnerstag.
Das organische Wachstum im zweiten Quartal und die steigenden Volumen unterstreichen die gute Positionierung von Amrize im strukturell wachsenden Markt Nordamerika, so die zuständige Analystin weiter. Kurzfristig dürfte der Margendruck aufgrund der ölpreisbedingt höheren Fracht-, Diesel- und Rohmaterialkosten anhalten. Weitere Preiserhöhungen sowie Einsparungen aus dem Effizienzprogramm «Aspire» sollten das Preis-Kosten-Verhältnis im zweiten Halbjahr jedoch schrittweise verbessern, so die SGKB.
Auf Basis der revidierten Schätzungen sieht die Bank ein Kurspotenzial von rund 30 Prozent. Die Einstufung «Opportunität» wurde bestätigt.
Auch die Zürcher Kantonalbank blieb letzte Woche optimistisch und beim Rating «Übergewichten». Die Aktie handle mit einem Abschlag gegenüber der US-Konkurrenz und biete über 30 Prozent Aufwärtspotenzial. Die Bank Vontobel bliess auf «Kaufen» mit einem Kursziel von 53 Franken.
In der Vergangenheit nutzten Top-Manager von Amrize Schwächephasen der Aktien für namhafte Käufe auf privater Basis, wie cash schrieb (hier). Das ist tatsächlich erneut geschehen. Ein oder mehrere Top-Manager von Amrize kaufte(n) in den letzten Tagen in sechs Tranchen Aktien im Wert von fast 700'000 Franken, wie der Website der Swiss Exchange Regulation zu entnehmen ist.

