Die Aktien des Baustoffkonzerns Amrize haben am Freitag einen kräftigen Rückschlag erlitten. Die Titel fielen auf den tiefsten Stand seit Mitte Mai. Damit bewegen sie sich wieder nahe an ihrem Allzeittief bei etwa 37,60 Franken, das sie seit dem Börsengang vor rund einem Jahr markiert haben.

Auslöser des Einbruchs waren die neuen Quartalszahlen. Zwar hob Amrize die Umsatzprognose an, senkte jedoch die Erwartungen für den operativen Gewinn. Grund dafür ist der anhaltende Kostendruck: Das Unternehmen konnte höhere Kosten bereits im zweiten Quartal nicht an die Kunden weitergeben. Das verschreckte die Anlegerinnen und Anleger. In der Spitze sackten die Valoren um rund 11 Prozent ab, womit sie die wichtige Marke bei 37,40 Franken testeten. Bis zum Handelsschluss grenzten die Amrize-Papiere das Minus auf 8,8 Prozent bei 38,14 Franken ein. Das ist seit dem Börsengang der bisher grösste Tagesverlust. Am ersten Handelstag verloren die Valoren rund 15 Prozent.

Entwarnung gibt es aber nicht. Aus charttechnischer Sicht bleiben die Titel in einer heiklen Zone. Der Widerstand bei etwa 39,50 Franken und die Hürde bei 41,31 Franken rücken vorerst in weite Ferne. Halt finden die Papiere potenziell im Bereich von 37,40 bis 37,60 Franken. Bei weiteren Verkäufen könnte dieses Niveau erneut unter Druck geraten. Fällt die Aktie darunter, droht eine beschleunigte Talfahrt - denn auf diesem Niveau betritt der Titel Neuland.

«Buy the dip»?

Trotz des Dämpfers schätzen viele Expertinnen und Experten die Substanz des Unternehmens weiterhin positiv ein. Vontobel-Analyst Mark Diethelm belässt die Aktie in seiner Ersteinschätzung vom Freitag auf «Kaufen» mit einem Kursziel von 53 Franken. Ähnlich optimistisch äussert sich Martin Hüsler von der Zürcher Kantonalbank, der beim Rating «Übergewichten» bleibt: Die Aktie handle mit einem Abschlag gegenüber der US-Konkurrenz und biete über 30 Prozent Aufwärtspotenzial.

Von 21 befragten Analystinnen und Analysten empfehlen 13 den Kauf der Amrize-Aktien, acht raten zum Halten, und Verkaufsempfehlungen gibt es keine. Das durchschnittliche Kursziel für die nächsten zwölf Monate liegt bei knapp 62 Franken, was einem Aufwärtspotenzial von rund 33 Prozent gegenüber dem aktuellen Kurs entspricht.

Als Stabilisator könnte das Management selbst wirken. Die Geschäftsleitung nutzte Schwächephasen schon in der Vergangenheit für namhafte Käufe. Zwischen Mai 2024 und Mai 2025 erwarb sie beispielsweise eigene Aktien für rund 52 Millionen Franken - damals die aktivsten Käufer eines SMI-Konzerns. Ob diese Strategie, bei Kursverfällen zuzugreifen, erneut zum Tragen kommt, bleibt abzuwarten. Für Anleger bleiben vor allem die Rohstoffkosten und der Erfolg des Sparprogramms entscheidend. Neue Analystenstudien könnten in den kommenden Tagen weitere Hinweise auf die Kursentwicklung liefern.
 

Luca_Niederkofler
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